Zwei Monate nach seinem elften Geburtstag, am 9. Juli 1944, schlossen sich die Tore von Bergen-Belsen hinter Ladislaus Löb. Fünf Monate später übertrat er die Grenze zur Schweiz, verfroren und hungrig, aber lebendig und sicher. Er war nicht alleine, sondern gehörte zu einer Gruppe von 1.670 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Ungarn, die vor der Ermordung gerettet wurden - durch ein Geschäft, das Reszö Kasztner, selbst ungarischer Jude, mit den Nazis ausgehandelt hatte. In zähen Verhandlungen feilschte er über Monate mit Adolf Eichmann, Kurt Becher und anderen: Menschenleben gegen Valuten, Schmuck, Lastwagen und weitere Waren. Zwölf Jahre und einen Justizirrtum später wurde Kasztner von einer Bande jüdischer Extremisten in Israel ermordet. Bis heute ist Rezsö Kasztner eine ambivalente Figur - von den einen als Verräter verachtet und von vielen anderen als Held verehrt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.09.2010
Als Chance, sich ein umfassendes Bild des ungarischen Widerständlers Rudolf Kasztner und seiner Geschichte bis hin zum Prozess um seine Ehre in Israel in den 50er Jahren zu machen, nimmt Stephen Tree das vorliegende Buch von Ladislaus Löb. Tree gibt die Geschichte des Judenretters Kastzner, der zum Zweck seiner Mission auch schon mal SS-Uniform trug, in groben Zügen wieder und erwägt die Möglichkeiten des Widerstands in Ungarn während des Krieges. Das Buch besticht laut Tree durch seine umfangreiche Quellenbasis und den Versuch, Objektivität zu wahren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2010
Urs Hafner hat Ladislaus Löbs Buch "Geschäfte mit dem Teufel" mit Interesse gelesen, das der Geschichte des Rezsö Kasztner nachgeht, der 1944 im besetzten Budapest im Handel mit den Nazis 1670 ungarische Juden rettete. Drei Geschichten seien in diesem Buch enthalten, so der Rezensent: einmal über Kasztner, dann die über Ladislaus Löb selbst, denn er war einer der geretteten Juden, und - in Ansätzen zumindest - über den Staat Israel (hier wurde Kasztner später wegen angeblicher Kollaboration verurteilt). Die Geschichte Kasztners werde zwar nicht zum ersten Mal erzählt, so Hafner, doch das Bestechende sei Löbs persönliches Motiv. Die Rehabilitation Kasztners durch diese Veröffentlichung sei gleichsam eine Selbstvergewisserung für den einst durch Kasztner geretteten Autor.
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