Gestaltet von El Lissitzky. erausgegeben von Heinz Graber. Das Paris von Ilja Ehrenburg kennt keinen Louvre und kein Notre-Dame, und es zeigt den Eiffelturm geduckt hinter schäbigen Fassaden und Bauholz. Das Paris, in dem der russische Revolutionär von 1908 bis 1940 lebte, war ein Ort, an dem sich ganz normale Menschen mit wenig Geld und Hoffnungen durchs Leben schlugen. Vor ihrer Haustür und im Cafe, bei der Arbeit und beim Warten, in ihrer Armut und Würde hat sie Ehrenburg fotografiert und in kurzen Texten beschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2005
Angetan zeigt sich der "Id." zeichnende Rezensent von Ilya Ehrenburgs erstmals 1933 erschienenem Paris-Buch, das "halb Stadtführer, halb Sozialreport" ist. Wie er berichtet, bietet der Band eine Sammlung von "liebevoll-kritischen Feuilletons", illustriert mit Fotos von Ehrenburg, der damals Zeitungskorrespondent in Paris war. "Sehr geschickt" findet der Rezensent, wie der Band Charme und Elend der französischen Hauptstadt vergegenwärtigt. Ehrenburg zeige Arbeiterkneipen und Stundenhotels, Straßencafes und Gefängnisse, Plakatwände und Schaufenster, öffentliche Pissoirs und Flohmärkte, die "concierges", "bouquinistes" und "clochards", kurz: "das Heer der Erniedrigten und Beleidigten im filigranen Schatten des Eifelturms". Das klassenkämpferische Pathos bleibt nach Einschätzung des Rezensenten gleichwohl "auf ein Minimum" beschränkt. "Was überwiegt", so der Rezensent, "ist der einfühlsame, niemals entblößende Blick des Berichterstatters".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.04.2005
Wer etwas sehen will, muss sich unsichtbar machen: nach diesem Motto verfuhr der sowjetische Schriftsteller Ilja Ehrenburg auch als Fotograf, so Daniel Kothenschulte. Mit einer Leica bewaffnet ging Ehrenburg in seiner Lieblingsstadt auf die Pirsch; er fotografierte das Paris der kleinen Leute, Arbeiter, Prostituierte, Clochards. Seine Aufnahmen sind "ohnegleichen" in der damaligen Fotopublizistik, schwärmt Kothenschulte und freut sich, dass der Verlag ein Faksimile des (nicht sehr gut gedruckten) Originals möglich gemacht hat. Ehrenburg betrieb keine Elendsfotografie, versichert der Rezensent, der Eindruck vereinnahmten Leids stellt sich bei ihm nicht ein. Dafür war Ehrenburg viel zu neugierig, schwärmt er, zugleich aber auch ein ernsthafter Mann, der alles Anekdotische und Pittoreske zu vermeiden suchte.
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