Man kannte Hedwig Pringsheim bisher nur als Thomas Manns Schwiegermutter. Jetzt erzählen Inge und Walter Jens zum ersten Mal das Leben dieser außergewöhnlichen Frau, die durch Lebensklugheit und selbstbewussten Witz schon ihre Zeitgenossen faszinierte. Nach einer kurzen Karriere als Schauspielerin in Meiningen heiratet sie den Mathematikprofessor und Kunstmäzen Alfred Pringsheim, der seinerzeit zu den reichsten Männern Münchens gehört. In ihrem Palais in der Arcisstraße führen die Pringsheims ein glanzvolles Haus, umgeben von Prominenten aus Kultur und Politik. Der Machtantritt der Nazis 1933 bedeutet das abrupte Ende dieses Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2006
Rezensent Malte Herwig mochte dieses Buch, auch wenn er bedauert, dass es verlegerisch gar zu sehr im Fahrwasser des Thomas-Mann-Hypes schwimme. Denn das hat die hier porträtierte Schwiegermutter Thomas Manns aus seiner Sicht gar nicht nötig. "Dankenswerterweise" würden Inge und Walter Jens sehr ausführlich aus den Briefen Hedwig Pringsheims zitieren, die dem Rezensenten daraus als sehr eigenständige Frau mit "Humor und Esprit" entgegenkommt. Besonders haben die Briefe dem Rezensenten Einblick in die Welt des deutsch-jüdischen Großbürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts geben können. Gelegentlich allerdings werden besonders Fragen der Haushaltsführung von den Autoren mit ähnlich "lähmender Ausführlichkeit" behandelt, die für den Rezensenten schon die Lektüre von Hedwig Pringsheims Tagebüchern erschwerte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.08.2005
Trotz des Titel, warnt Barbara von Becker, sollte man in Hedwig Pringsheim auf keinen Fall eine Frau sehen, deren Identität von anderen getragen wurde: Natürlich war sie die Tochter des Berliner Journalisten Ernst Dohm und seiner Frau, der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, verheiratet mit dem Mathematiker, Kunstsammler und Millionär Alfred Pringsheim und Schwiegermutter von Thomas Mann. Aber, daran lässt die Biografie für Becker keinen Zweifel, war sie vor allem ein souveräner Geist und Charakter, deren kluge Besonnenheit und funkelnder Esprit ihre Salon sehr beliebt gemacht hatten. Auch dass ihr Enkel Klaus Mann sie als "Mischung aus venezianischer Schönheit a la Tizian und problematischer grande dame a la Hendrik Ibsen" beschrieb, erscheint der Rezensentin nach Lektüre einleuchtend. Großes Lob verteilt sie also an das schreibende Paar Inge und Walter Jens, die so akribisch die Lebenszeugnisse dieser Frau zusammengetragen zu haben.
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