Ingo Elbe

Antisemitismus und postkoloniale Theorie

Der "progressive" Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung
Cover: Antisemitismus und postkoloniale Theorie
Edition Tiamat, Berlin 2024
ISBN 9783893203147
Kartoniert, 408 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Postkoloniale Theorien prägen derzeit den globalen Kultur- und Wissenschaftsbetrieb. Was als Versuch begann, den spezifischen Erfahrungen in kolonial geprägten Gesellschaften Rechnung zu tragen, ist zur großen Erzählung einer Kritik des "westlichen Verständnisses" von Vernunft und legitimer politischer Ordnung mutiert. Trotz aller Beschwörung von Komplexität wird dabei das Motiv der "Kolonialität" zum Hauptkriterium von Geschichtsbetrachtung, philosophischer Reflexion und Sozialkritik erklärt. Das Bild, das prominente Vertreter dieses Ansatzes von Antisemitismus und Holocaust einerseits, Judentum und Zionismus andererseits zeichnen, weist systematische Verzerrungen auf: Unterschiedliche Formen und Radikalitätsgrade der begrifflichen Einebnung oder Verharmlosung von Antisemitismus, der Relativierung der Shoah sowie der Dämonisierung Israels. Das Buch zeigt, dass solche längst akademisch anerkannten Thematisierungen von Judentum und Antisemitismus nichts zum Verständnis des Judenhasses beitragen und ein Faktor für dessen Erstarken sind.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.06.2024

Rezensent Michael Köhler liest mit Ingo Elbes "Antisemitismus und postkoloniale Theorie" eine "Kampfansage" - das macht schon der Titel deutlich, und das ist auch am Sound dieses Buches zu spüren. Eine Kampfansage an jene, welche auch Antisemitismus und Holocaust stets durch die Linse der postkolonialen Theorie betrachten, damit aber ein verzerrtes, manichäisches Bild erzeugen, in dem Israel als Täter erscheint, Palästina als Opfer, in dem Antisemitismus "nur" eine Spielart von Rassismus ist und der Holocaust ein Kolonialverbrechen. Diese Betrachtungsweise und ihre fatalen Folgen kritisiert Elbe in seinem Buch mit Präzision, Ambition und Leidenschaft, wobei Köhler diese Mischung als einerseits "wohltuend", andererseits belastend empfindet. Erfreulich ist die Schärfe, mit der der Autor die Mechanismen zur Umgestaltung der Erinnerungspolitik analysiert und die "Gewalt der Gewaltgegner" offenlegt. Elbes allzu akademischer Tonfall nervt den Rezensenten allerdings mitunter. Ein wertvoller Debattenbeitrag ist dieses Buch aber allemal, findet er.

Buch in der Debatte

9punkt 02.07.2024
Ingo Elbes Buch "Antisemitismus und postkoloniale Theorie" ist bisher in den Feuilletons noch kaum besprochen worden. Dabei nimmt es eine der zentralen Debatten der letzten Jahre auf und stellt sich damit neben Steffen Klävers' Buch "Decolonizing Auschwitz" (unsere Resümees) und Stephan Malinowskis Essay "Der Holocaust als 'kolonialer Genozid'? Unser Resümee

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