Die Ausladung des afrikanischen Philosophen Achille Mbembe von der dann wegen Corona abgesagten Ruhrtriennale 2020 hat den deutschen Blätterwald in einer Art und Weise umgetrieben wie zuletzt nur im "Historikerstreit" zwischen Jürgen Habermas und Ernst Nolte der Jahre 1986/87. Ging es damals um die Frage, ob und wieweit der Nationalsozialismus mitsamt der Judenvernichtung eine verständliche Abwehrreaktion wider den "Bolschewismus" war, so geht es jetzt um Israel und den Zionismus. Freilich war die Ausladung Mbembes keineswegs der Höhepunkt der Debatte - so wurde etwas später israelischen Studierenden der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, die zum Schluss gekommen waren, dass der Zionismus keine tragfähige Grundlage für die Zukunft des Staates Israel ist, ein entsprechender Workshop von der Hochschulleitung unter Berufung auf den im Mai 2019 vom Deutschen Bundestag gefassten Anti-BDS-Beschluss untersagt und ihre Ankündigung von der Website der Hochschule genommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.10.2021
Claus Leggewie nimmt Micha Brumliks Buch zum Anlass, einige grundsätzliche Aspekte in der Debatte um Achille Mbembe und antisemitische Gefahren im Postkolonialismus zu diskutieren. Leggewie schätzt Brumlik als unabhängigen Essayisten sehr, aber mit diesem Buch ist er nicht ganz einverstanden. Zum einen erscheint es ihm recht trocken und langatmig. Brumliks Position zu Mbembe und der BDS-Boykott-Bewegung findet Leggewie zum anderen viel zu nachsichtig. Aber wenn Brumlik der Frage nachgeht, inwieweit der Zionismus koloniale Züge trug oder vielmehr auf die autochthone Bevölkerung eine kolonialistische Wirkung hatte, folgt er Brumlik durchaus. Klar ist für Leggewie allerdings auch: Alle identitätspolitische Ansätze, egal ob von links oder recht, und auch die modische "entanglement"-Figur der Kulturwissenschaften scheitern vor der Komplexität der Nahost-Problematik.
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