Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Eine Hütte am Meer, die Tür schlägt im Wind, gerade erst scheint noch jemand hier gewesen zu sein. Zwei Jungen treten ein, um nachzusehen. Was sie dann tun, werden sie sich ihr ganzes Leben lang nicht erklären können. - In die Unterwelt einer Kneipe, in der die Halb- und Scheintoten vor sich hintrinken, steigt man am besten nur gelegentlich hinab. Doch was, wenn dieses Schattenreich einen auch zu Hause heimsucht? - Ein einsamer Wanderer und Hütteneinbrecher findet sich unfreiwillig in menschlicher Nähe wieder: In der benachbarten Hütte wohnen eine Frau und ein Junge, der nicht spricht. Zwischen ihnen entsteht eine mystische, aufgeladene Kommunikation. - Auf einer Ostseefähre fällt der Strom aus, der Kiel schrammt über den Grund - Katastrophe oder Einbildung? In Ingvar Ambjørnsens Erzählungen spiegelt sich Vergangenes im Gegenwärtigen, sind Menschen auf der Flucht und suchen Zuflucht, wärmen sich am Feuer, bevor sie in ihre Einsamkeit zurückkehren.
"Hausbesetzer, Freaks, Kleinkriminelle" - Ingvar Ambjørnsen, der im Sommer letzten Jahres verstorben ist, widmete sich den Ausgestoßenen der Gesellschaft, erinnert Rezensent Frank Schäfer. Ambjørnsen nahm seine Protagonisten immer mit viel Empathie unter die Lupe, allerdings ohne ihre Miseren zu romantisieren. Wie Träume kommen dem Rezensenten viele der Erzählungen in diesem letzten Storyband vor: eine "verranzte Einzelsäuferdestille" verwandelt sich in eine "trübe Unterwasserwelt". Der Kritiker hebt die "schwebende, fast schon schlafwandlerische Erzählweise" hervor, mit der der Autor zum Beispiel ein sich anbahnendes Schiffunglück, vergangene Traumata und, immer wieder, verlassene und verlorene Orte schildert. Schade, dass man dieser starken Erzählstimme hier zum letzten Mal begegnet, bedauert Schäfer, immerhin sind die Texte jetzt auf Deutsch zu entdecken.
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