Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Von einer Rückkehr nach Palästina und der Suche nach den eigenen Wurzeln in einem Land, das keines ist. Nach vielen Jahren in London und einer schmerzhaft gescheiterten Beziehung reist Schauspielerin Sonia zu ihrer älteren Schwester nach Haifa. Dort lernt sie die charismatische Mariam kennen, die im Westjordanland eine palästinensische Theaterproduktion des "Hamlet" auf die Beine zu stellen versucht. Nach anfänglichem Zögern willigt Sonia ein, die Rolle der Gertrude zu übernehmen. Doch je weiter die Proben voranschreiten, desto mehr wird Sonia von den Geistern eines Konflikts heimgesucht, der ihre entwurzelte und in alle Richtungen verstreute Familie genauso wie die gesamte Region nicht zur Ruhe kommen lässt. Als in Jerusalem ein Attentat auf israelisches Wachpersonal verübt wird, droht die Lage auch für die Theatergruppe zu eskalieren. Und doch entdeckt Sonia etwas sehr Unvorhergesehenes: die Möglichkeit, dass es gerade dieses leidgeprüfte Palästina sein könnte, das ihrem Leben einen Halt gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2025
Rezensent Wolfgang Schneider lernt von der britisch-palästinensischen Autorin Isabella Hammad, was Hamlet mit Palästina zu tun hat: Die Protagonistin ihres autobiografisch eingefärbten Romans ist die Schauspielerin Sonia, die nach Jahren ihre Schwester in Haifa besucht und direkt von einer palästinensischen Theatergruppe für die Rolle der Königin Gertrude engagiert wird. Für Schneider ist es ein wenig fragwürdig, dass der 2017 spielende Roman zwar sehr schnell bei der Hand ist, die "israelische Gewaltherrschaft" zu betonen, aber über Hamas-Ideologien und palästinensischen Terrorismus schweigt, dennoch findet er die Geschichte trotz ihrer "blinden Flecken" überzeugend. Das Theatersetting trägt ihm zufolge dazu bei, die schwierige Situation der Palästinenser nachvollziehbar darzustellen - für ihn trotz der Makel eine "aufschlussreiche" Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.11.2024
Rezensent Moritz Baumstieger liest Isabella Hammads Roman aus dem Frühjahr 2024 mit Interesse. Der Text kreist laut Rezensent um eine Hamlet-Inszenierung an der Mauer zwischen israelischem und palästinensischem Gebiet in Betlehem. Bemerkenswert ist für Baumstieger der Blick auf die palästinensische Bevölkerung in Israel, den die Autorin eröffnet, indem sie ihre Protagonistin, eine Schauspielerin, Tochter einer Britin und eines Palästinensers, als Außenseiterin dorthin zurückkehren lässt. Wie sich im Buch Familiengeschichte und Zeitgeschichte verbinden, findet Baumstieger überzeugend und von "großer Sogkraft".
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