Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Mit einem Nachwort von Maike Albath. Die Gabe des Menschen, sich etwas vorzumachen, ist unerschöpflich. Nur wenige Autoren der Weltliteratur haben diese Erfindungsgabe so herrlich indiskret bloßgelegt wie Italo Svevo. Die erheiternden Vivisektionen seines Zeno Cosini leuchten das Bewusstseinslabyrinth des modernen Mannes bis in die hintersten Winkel aus. In jeder Hinsicht eine Offenbarung! Signore Cosini ist siebenundfünfzig Jahre alt und kann auf eine beeindruckende Bilanz ungenutzter Chancen und verpasster Gelegenheiten zurückblicken. Einerlei, ob er eine gute Partie machen wollte oder bloß versuchte, sich das Rauchen abzugewöhnen, ob er sich in der Geschäftswelt engagierte oder auf ein erotisches Abenteuer aus war ein ums andere Mal schlug ihm das Schicksal ein Schnippchen. Nichtraucher ist er mit knapp sechzig immer noch nicht, und seine Frau hat er nur deshalb geheiratet, weil deren Schwestern ihn zuvor abgewiesen hatten. Da sich das Un-Perfekte jedoch mitunter als Glücksfall herausstellt, ist es Svevos Kleinstadtneurotiker wider Erwarten vergönnt, chronisches Unvermögen zur höheren Lebenskunst zu veredeln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2011
Als "Meisterwerk" würdigt Rezensentin Christiane Pöhlmann Italo Svevos bereits 1923 erschienenen Roman "Zenos Gewissen", den der Manesse Verlag anlässlich Svevos 150. Geburtstag noch einmal neu aufgelegt hat. Ein ganzes "Feuerwerk an Bonmots" sieht die Kritikerin auf den rund 750 Seiten explodieren, auf denen Svevo seinen Protagonisten Zeno Cosini, einen tragikomischen Hypochonder, auf sein wenig ereignisvolles Leben, seine Ehefrau, seine Geliebte und seine Psychoanalyse zurückblicken lässt. Pöhlmann lobt insbesondere die feinsinnige Beobachtungsgabe, mit welcher der deutsch-italienische Autor das vielschichtige Innenleben seines Ich-Erzählers ausleuchte. Svevo habe mit diesem Roman die italienische Literatur an die mitteleuropäische Moderne angeschlossen, so Pöhlmann. Größte Anerkennung ringt ihr auch die Neuübersetzung Barbara Kleiners ab, die sie als wahren "Hochgenuss" bezeichnet.
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