Ivo Andric

Die Brücke über die Drina

Eine Chronik aus Visegrad
Cover: Die Brücke über die Drina
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2011
ISBN 9783552055230
Gebunden, 493 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Ernst E. Jonas, überarbeitet von Katharina Wolf-Grießhaber. Mit einem Nachwort vom Karl-Markus Gauß. Dieser monumentale historische Roman erschien 1945 und hat den Weltruhm von Ivo Andric begründet, der 1961 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Erzählt wird von einer Brücke, die bei Wischegrad, einer Stadt in Bosnien nahe der Grenze zu Serbien, über die Drina führt. Dort, im Herzen Bosniens, treffen sich seit Jahrhunderten die Menschen. Die Brücke verbindet und trennt Orient und Okzident. Der große Epiker Andric entfaltet die Geschichte vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg, und er zeigt uns unzählige Figuren - politische Märtyrer und religiöse Eiferer, jüdische Handwerker und islamische Händler, serbische Bauern und österreichische Beamte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2011

Andreas Breitenstein feiert Ivo Andrics 1945 erschiene und nun in der überarbeiteten Übersetzung von Katharina Wolf-Griesshaber publizierte Romanchronik "Die Brücke über die Drina" als große Literatur. Der bosnische Autor, dem dafür 1961 der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde, erzählt chronologisch die Geschichte der Brücke von ihrem Bau im 16. Jahrhundert bis unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, erfahren wir. Andric stellt die Brücke selbst in den Mittelpunkt seiner Chronik und lässt auf ihr an die hundert Menschenschicksale vorbeiziehen, erklärt der Rezensent, der hier ein beeindruckendes "Zeitpanorama" an der Schnittstelle von Orient und Okzident bewundert. Nicht nur als "eminente Zeitkritik" und "Abgesang" auf die Donaumonarchie lässt sich dieses Buch lesen, es hält auch die Utopie Jugoslawien fest, der sich der Autor verbunden fühlte, meint Breitenstein. Besonders der "humane und multiperspektivische" Blickwinkel ist es dann auch, den der Rezensenten an diesem großen Roman so bewundert und Andric in einer Reihe mit Joseph Roth, Robert Musil oder Gyula Krudy stehen sieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011

Ausführlich widmet sich Rezensent Thomas Steinfeld dieser mit einem "lehrreichen Vorwort von Karl-Markus Gauß versehenen Neuauflage von Ivo Andrics Klassiker "Die Brücke über die Drina". Serbiens Gastauftritt bei der Leipziger Buchmesse lässt er nur als Anlass für diese Neuedition gelten, denn seiner Ansicht nach muss man diesen großen jugoslawischen Nationalroman unter den Vorzeichen von Serbiens geschrumpfter Rolle auf dem Balkan neu lesen. Hunderte von Menschen führt Andric in seinem Roman über die gewaltige Brücke am Oberlauf der Brücke, Muslime, Orthodoxe und Katholiken, Türken, Österreicher, Bosnier und Serben, Bauern, Soldaten und Händler (mitunter lässt er sie auf ihr auch sehr, sehr grausam sterben). Wie schon in Peter Handkes "Immer noch Sturm" fasziniert den Rezensenten hier besonders die Gestalt des Partisanen, die er beim heutigen Wiederlesen in diesen vielen Einzelnen erkennen will. Denn auch wenn unsicher sei, ob Andric mit den Partisanen überhaupt sympathisierte, die gegen die deutschen Besatzer kämpften, während er zurückgezogen in Belgrad an seinem Roman schrieb, sieht Steinfeld hier dem Partisan in seiner Einfachheit und "Halbverrücktheit" sehr eindrücklich Gestalt verliehen.

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