Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Mit einer Zeittafel zu Leben und Werk und einem Porträtfoto des Autors. Eine passionierte Leserin kauft zufällig ein Buch... und findet sich selbst im Geschriebenen wieder. Verzaubert schreibt sie an den ihr unbekannten, doch so vertrauten Freund, den Autor. Wird er ihr antworten?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
Schon 1933, als Iwan Bunin als erster Russe den Literaturnobelpreis erhielt, kannte man ihn im Westen kaum. Dabei lebte er, dem die Revolution als "apokalyptischer Untergang der russischen Kultur" erschien, längst in Frankreich. Sehr viel hat sich nicht verändert, meint Ulrich M. Schmid, nach wie vor werde sein Rang verkannt. So zähle etwa die nun von Swetlana Geier "einfühlsam übersetzte" Erzählung zu den "schönsten Prosatexten der russischen Literatur". Ihr zugrunde liege eine Umkehrung der Schreibsituation, denn sie besteht aus den fiktiven Briefen einer Leserin an einen Autor, in denen sie ihm "ihr innerstes Seelenleben" mitteilt. Der Text aber bleibt monologisch, wie für gewöhnlich jeder Text eines Autor an ein anonymes Publikum, so Schmid. Eine Lehre freilich ist aus der Erzählung nicht zu ziehen, meint unser Rezensent, die "enorme literarische Ausdruckskraft" Bunins verdanke sich vielmehr seiner "Subtilität".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.11.2003
Zunächst skizziert Rezensent Thomas Urban kurz die Handlung des kleinen Romans: Eine feine Dame liest einen Roman und erkennt sich in der Hauptfigur aufs Erstaunlichste wieder. Daraufhin schreibt sie dem Autor über Jahre hinweg, ohne je eine Antwort zu erhalten. Doch diese Skizze, so Urban, ist außerstande, das eigentliche einzufangen. Denn hier gehe es weniger um ein einzelnes entscheidendes "Ereignis" als um einen sich nicht lösenden "Spannungsbogen" mannigfaltiger "Seelenzustände". Ganz in der Tradition der großen russischen Erzähler verwende Bunin seine sprachliche Präzision nicht darauf, "psychologisierende" Porträts zu entwerfen, sondern innere Regungen bestenfalls "anzudeuten", und zu einem "roten Faden" der grundlegenden menschlichen Fragen zu spinnen: "Liebe", deren "Unmöglichkeit" und der "Tod". Dies gelingt ihm, so Urban begeistert, mit "großer Meisterschaft".
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