Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg. Die junge Mascha verliebt sich nach dem Tod der Mutter in ihren älteren Vormund Sergej Michajlytsch, es entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und nach der Heirat ziehen die beiden auf sein Gut Nikolskoje. Doch bald wird der lebenshungrigen Frau das eintönige Landleben langweilig. Sergej willigt ein, die Saison in Petersburg zu verbringen, wo Mascha in die Gesellschaft eingeführt wird. Sie liebt den Glanz der Bälle und die Bewunderung ihrer Schönheit, verfällt der Vergnügungssucht des hauptstädtischen Adels, was ihre Ehe in eine tiefe Krise stürzt und ihr Familienglück gefährdet. Tolstoj greift hier erstmals den für ihn so wichtigen Themenkomplex Liebe - Ehe - Familie auf. Seine Protagonistin Mascha ist eine Vorgängerin von Natascha Rostova und Anna Karenina. Familienglück erscheint zum erstenmal in adäquater deutscher Übersetzung, die der Modernität des Romans gerecht wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2005
Knapp 150 Jahre, nachdem Tolstoi seinen Roman "Familienglück" geschrieben hat, sei es nicht mehr möglich, das Werk den Intentionen des Verfassers entsprechend zu lesen, stellt der "kmg" zeichnende Rezensent fest. Tolstoi habe zur Entstehungszeit des Romans dogmatische Positionen zur Ehe vertreten, über die er erst später künstlerisch hinauszuwachsen gelernt habe, und ein dementsprechend schlechtes Licht werfe er hier auf seine Heldin, die sich nicht gleich demütig in die Ehe mit ihrem doppelt so alten Vormund fügen mag. Ein "fesselnder, quälender Roman" sei "Familienglück" nach wie vor, doch komme der heutige Leser nicht umhin, entgegen den Absichten des Autors Mitleid mit der Protagonistin zu empfinden.
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