Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Dorothea Trottenberg. Nach langer Zeit begegnet Pavel seiner Jugendliebe Vera wieder, einer geheimnisvollen Schönheit, die mit einem anderen verheiratet ist und dennoch mädchenhaft unberührt wirkt. Als Pavel sie in die Welt der Literatur einführt und ihr sein Lieblingswerk, Goethes Faust vorliest, brechen die alten Gefühle erneut auf - was Mächte weckt, die sich bald nicht mehr kontrollieren lassen. Auch Aleksej spielt leichtfertig mit den Gefühlen einer jungen Frau, als er aus Langeweile einen Briefwechsel mit Marja aufnimmt. Die beiden Briefnovellen - die einzigen, die Turgenjew schrieb - sind autobiografisch gefärbt: In "Faust" spiegelt sich Turgenjews Verhältnis zu Leo Tolstois Schwester Marja. "Ein Briefwechsel" nimmt Turgenjews Beziehungen zu Tatjana Bakunina und zu Pauline Viardot auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2008
Jörg Plath hat zwei Brief-Erzählungen gelesen, die der Schweizer Dörlemann-Verlag aus den Tiefen der Werkausgabe Iwan Turgenjews ausgegraben und in einer neuen Übersetzung von Dorothea Trottenberg in hübscher Aufmachung herausgegeben hat. Die erste mit dem Titel "Faust" überzeugt den Rezensenten durchaus, in ihr erzählt der Briefschreiber Pavel einem Freund, wie er sich in eine verheiratete Frau verliebt und sie mittels Faust-Lektüre für sich gewinnt, sie dann aber an Wahn und Krankheit verliert. Die sittliche Gefahr, die in dieser 1856 entstandenen Erzählung von der Lektüre ausgeht, wird durch die intime Briefform für die Leser glaubhaft, lobt Plath, den es nur etwas irritiert, wie egoistisch und gefühllos der Protagonist auf den Tod der Geliebten reagiert. Doch hier fühlt er sich durch das Nachwort der Übersetzerin aufgeklärt, die darlegt, dass die Erzählung wohl die Verarbeitung einer unglücklichen Liebe darstellt. Die zweite Erzählung dagegen, ebenfalls eine Liebesgeschichte, die an der rauen Wirklichkeit scheitert, hat Plath überhaupt nicht gefallen, hier kommt ihm die Handlung viel zu "willkürlich" und unmotiviert daher.
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