Aus dem Russischen und herausgegeben von Peter Urban. Mit einem Nachwort von Kjor Janev. Mit dem Frühling erwacht bei einigen Bewohnern Petersburgs ein seltsames, überaus dringliches Verlangen: eine unstillbare Sehnsucht nach frischer Luft und unberührter Natur, die die im Winter so kultivierten Herrschaften um den Verstand bringt und unwägbaren Gefahren aussetzt. Während ihrer rastlosen Spaziergänge stürzt die betroffene Familie Zurov in Schluchten, wird von Hunden überfallen, erblindet und ertrinkt beinahe im See. Ausgerechnet der faule Tjaželenko, der die meiste Zeit im Bett verbringt und deshalb vor der Ansteckung der saisonalen Seuche bewahrt bleibt, diagnostiziert der Gesellschaft ein schreckliches Leiden, dessen Ursache er zu kennen meint. Da seine Glaubwürdigkeit mehr als fragwürdig ist, beschließt der Erzähler, besorgt um das Wohl seiner Freunde in der Großstadt, der Sache selbst auf den Grund zu gehen - und die Zurovs auf einen ihrer verhängnisvollen Ausflüge zu begleiten. Heute, da das Zelt oder die Hütte in freier Natur der Sehnsuchtsort manch eines Städters ist, liest sich "Die Schwere Not" aktueller denn je.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2024
In Ivan Gončarovs Debütroman liest Urs Heftrich Gegenwärtiges. Der Bewegungsdrang und die Flucht ins Grüne hätten die postpandemische Welt erfasst, wie damals Gončarovs aufgeklärte Zeitgenossen, die nach westlicher Gewohnheit an Wanderlust und Hyperaktivismus erkrankt seien. So sehr die wiederentdeckte Erzählung des russischen Autors wie eine Apologie der städtischen Muße wirkt, so dynamisch ist sie dennoch. Der Rezensent erkennt darin einen Kulturkampf, Gončarov verteidigt die Möglichkeit des Selbstgenusses in der Stadt und blickt zugleich skeptisch auf die Suche nach Muße auf dem Land. Ulrich befindet, dass dieses Frühwerk "in sich ruht" und hochaktuell ist.
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