Aus dem Englischen übersetzt, herausgegeben und kommentiert von Rolf Schönau. "Paradies verloren" ist die Geschichte vom biblischen Sündenfall. Ab dem ersten Vers strebt dieses spiegelbildlich zweigeteilte Epos in zwölf Büchern dem Akt des ersten Ungehorsams zu. Wird im ersten Teil vom Zustand vor der Erschaffung der Welt erzählt und in einer Rückschau vom Geschehen, das zu Satans Sturz führte, so wird im zweiten Teil von den Ereignissen berichtet, die zum Fall der Menschen führen, und in einer Vorschau von der Geschichte nach dem Sündenfall. In heiterer Aufbruchstimmung werden Adam und Eva in eine Welt losziehen, die vom freien Willen bestimmt ist. John Milton, der seine Dichtung nicht nur neben die Schöpfungsgeschichte stellte, sondern diese auch zu korrigieren wagte, will göttliche Vorsehung begründen: Aus Bösem entsteht Gutes. Er bricht in seinem großen Gesang mit allen Regeln seiner Zeit, lässt vertrauten Satzbau und alle "Fron des Reimens" hinter sich. Der Held mit perfidem Plan heißt zunächst: Satan, der Widersacher mit inzestuöser Familiengeschichte, personifiziert in Sünde und Tod und in seinem Gefolge Moloch, Belial, Mammon, Beelzebub. Miltons Satan ist ein tragischer und deshalb sympathischer Held voller Selbstzweifel, der mit seinem Engelsheer heroisch gegen die göttliche Tyrannei rebelliert und durchs Chaos reist, um sein schlangenlistiges Verführungswerk zu vollführen. Paradies verloren.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.05.2024
Rezensent Hans von Trotha nimmt Rolf Schönlaus Nacherzählung von John Miltons kaum noch gelesenem Klassiker zum Anlass, für Miltons Werk zu werben. Nicht nur dient es als Arsenal für alle möglichen Fantasy-Epen, es ist und bleibt auch eins der "wuchtigsten literarischen Ereignisse", versichert Trotha. Schönlaus Verdienst erkennt er darin, den bildgewaltigen, etwas sperrigen Text mit hilfreichen Anmerkungen kenntnisreich zu erschließen und seine Highlights zeitgemäß neu zu übersetzen. Die Dynamik des immerhin 350 Jahre alten Originals wird so überraschend plastisch und verlockend, meint Trotha begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Rezensent Jürgen Kaube deckt seinen Nachholbedarf in Sachen John Milton mit dieser, wie er findet, sensationellen Einführung in Miltons umstürzlerisches Versepos reimloser Jamben von 1668. Für Kaube steckt hier das Potenzial, die brave deutsche Literatur das Fürchten zu lehren. Im Stil von Wapnewksis Epenerläuterungen, so Kaube, legt Rolf Schönlau eine Erläuterung ausgewählter Verse vor, bereitet den Leser damit bestens auf Miltons Werk vor und macht Appetit auf die Erzählung von Teufel, Tod und Hass.
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