Aus dem Französischen von Annette Lallemand. Mit 147 Farb- und S/W-Abbildungen. Jacques Le Goff bietet hier einen faszinierenden Einblick in die Bildwelt des Mittelalters. Zu diesem Kosmos gehören Robin Hood und Merlin ebenso wie die Kathedrale und das Einhorn, das Schlaraffenland und der Jongleur. In dem reich illustrierten Band lernt der Leser die bunten und phantasievollen Seiten des Mittelalters kennen, und wird dabei kundig von den erzählerischen Texten Le Goffs begleitet.
Nicht um historische Rekonstruktion oder korrigierende Entmythologisierung geht es in diesem Buch, sondern um die gesamteuropäische Schatzkiste der Erinnerung an das Mittelalter. Und wie gerne hat der Rezensent Olaf B. Rader darin gekramt! Burgen und Kathedralen, El Cid, Artus, Robin Hood und andere, die in der kulturellen Imagination Karrieren vom "Raufbold" zum "Helden" hinlegten, Erfundenes und historisch Belegtes - all das, was unsere Wahrnehmung des Mittelalters sinnbildlich geprägt hat und nach wie vor prägt, wird von Jacques Le Goff so aufbereitet, dass man sich "sofort festliest". Man erfährt auch, welche Wandlungen die kulturellen Bilder durchmachten: Die Aufklärung wischte den dunklen Schleier über dem Mittelalter weg, die Romantik legte ihn erneut darüber, und bis heute ist er dort geblieben. Ein "schön gestaltetes" Buch - und eine uneingeschränkte Empfehlung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2005
Für den Mediävisten Jacques Le Goff, erklärt uns Rezensent Michael Borgolte, entstand Europa im Mittelalter, und mehr als christliche Überlieferungen teilt es ein nichtchristliches Traditionsgut aus keltischen, indogermanischen oder orientalischen Überlieferungen. In seinem neuen Buch "Ritter, Einhorn, Troubadoure" untersucht Le Goff in zwanzig Skizzen das "Wunderbare": legendäre Gestalten wie Karl der Große, der Cid oder Roland, aber auch König Artus, die Fee Melusine, den Zauberer Merlin und Robin Hood; Menschentypen wie Ritter, Troubadoure und Walküren; Fiktionen wie das Schlaraffenland oder das Einhorn; und schließlich Realien wie die Kathedralen, Burgen und den Kreuzgang. Rezensent Borgolte möchte Le Goff nicht unbedingt in Gedanken folgen, diskutabel findet er etwa die Grundthese, dass "das mittelalterliche Erbe das wichtigste Vermächtnis der Vergangenheit an Europas Gegenwart und Zukunft" sei oder die Vermutung, dass die Dämonin Melusine heute in Gestalt der Frauenbeauftragten weiterlebt. Aber interessiert haben ihn die Skizzen ohne jeden Zweifel.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…