Volker Reinhardt

Die Macht der Seuche

Wie die Große Pest die Welt veränderte
Cover: Die Macht der Seuche
C.H. Beck Verlag, München 2021
ISBN 9783406767296
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Mit 25 Abbildungen und einer Karte. Die Große Pest der Jahre um 1348 war eines der einschneidendsten Ereignisse der europäischen Geschichte. Volker Reinhardt rekonstruiert den Verlauf der Epidemie von den Anfängen in Asien bis zu ihrem vorläufigen Erlöschen in Europa, beleuchtet die unterschiedlichen Verhältnisse in ausgewählten Städten und fragt, wie die Überlebenden politisch und wirtschaftlich, religiös und künstlerisch das große Sterben bewältigten. Alle Ähnlichkeiten mit aktuellen Pandemien sind rein zufällig. Als im Frühjahr 1348 die Pest nahte, ließ der Mailänder Herrscher Luchino Visconti die Stadt komplett isolieren. Kranke in der Stadt wurden vorsorglich eingemauert. So blieb Mailand als einzige Stadt Italiens verschont.
Volker Reinhardt hat die verfügbaren Quellen zur Großen Pest neu gesichtet und zeigt in seinem Buch, dass der vermeintliche europäische Flächenbrand eine Summe von lokalen Dramen war, die die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise bewältigten: durch politische Umstürze, Verfolgung von Minderheiten, Restauration alter Verhältnisse oder eben durch ein Lob der Tyrannis à la Mailand. Klassische Pestbeschreibungen wie die von Boccaccio erweisen sich als späte Stilisierung nach antiken Vorbildern, doch Bilder, Bauwerke oder anonyme Chronisten lassen ermessen, wie groß die Verunsicherung war und wie übermächtig die Sehnsucht nach der verlorenen Normalität.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2021

Rezensent Andreas Kilb begrüßt diese kleine Auszeit vom omnipräsenten Corona-Diskurs, denn in Volker Reinhardts Studie über die Pest gehe es auch um nicht-krankheitsbezogene Dinge wie Kunst, Tuchhandel oder Klansherrschaft. Dabei lobt Kilb, wie der Historiker seine Überblicksstudie an den richtigen Stellen auch lokalhistorisch spezifiziere, wie bei der Beschreibung der effektiven Strategie, mit der Mailand sich die Pest weitgehend vom Leib hielt. Außerdem bewundert der Rezensent die "quellenkritische Delikatesse", mit der Reinhardt Mythen etwa über die Ursprünge der Pest widerlege. Einzig, dass der Autor trotz großer Sensibilität für nur bequeme, nicht aber beweisbare Rückschlüsse zuweilen selbst ins "leitartikelnde" Spekulieren abdrifte, bedauert der Rezensent, der die Studie ansonsten aber für sehr gelungen hält.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.02.2021

Sehr beeindruckt ist Rezensent Holger Heimann von dieser Pestgeschichte des Renaissance-Historikers Volker Reinhardt. Wie Reinhardt im Zuge der Corona-Pandemie die Pest von 1348 mit neuen Augen betrachtet, leuchtet dem Rezensenten ein: Wie reagierten die Menschen und Autoritäten damals? Wie veränderte sich das Leben? Heimann liest in diesem "klugen und instruktiven" Buch vom Wunder von Mailand, von Sittenverfall und Progromen gegen Juden, und er entnimmt ihm die recht heutig klingende Einschätzung, dass die Pest die Welt nicht verändert habe, sondern nur sich abzeichnende Entwicklungen beschleunigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2021

Für Rezensent Gustav Seibt hätte Volker Reinhardt in seiner Studie über die Pest die Quellen mehr für sich selbst sprechen lassen dürfen, statt sie mit gelehrter Wissenschaft auseinanderzunehmen. Boccaccio ist für Seibt ein Beispiel. Und dass der Autor Kurt Flaschs Studie zu diesem italienischen Dichter vernachlässigt, scheint Seibt "snobistisch". Neue Erkenntnisse bietet ihm der Band kaum. Reinhardts Parallelisierung von Pest und Corona-Pandemie hinkt zudem, findet der Rezensent. Wie der Autor Zeitzeugenberichte und heutige Perspektiven auf die Pest kontrastiert, scheint Seibt wiederum originell.
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