Eine Atombombe explodiert über New York, kein menschliches Wesen überlebt. Mit Ausnahme des Tramp. Durch die menschenleere Wüstenei eines post-apokalyptischen New York wankt Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Vagabund, dem nur sein tiefschwarzer Humor geblieben ist. 1947 wendet sich James Agee an den von ihm hoch verehrten Charlie Chaplin mit diesem Filmprojekt. So drastisch wie unbeirrt manifestieren sich darin kollektive Ängste und der Wille zur ätzenden politischen Parodie gegen den antikommunistischen Furor der McCarthy-Ära, dem Chaplin selbst ausgesetzt war. Nie realisiert und erst vor kurzem wiederentdeckt, entfaltet sich ein Text auf der Schwelle zwischen Film und Literatur, zwischen Drehbuch, poetischer Novelle und politischer Satire.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2014
Als sie sich 1947 kennenlernten, war der Stern von Charlie Chaplin im Sinken begriffen, während James Agee dabei war, zum wichtigsten Filmkriter der USA und, nach seinem Tod 1955, zur Kultfigur zu avancieren, berichtet Verena Lueken. Dass aus der Freundschaft des Filmstars mit dem Kritiker beinahe ein gemeinsames Projekt entstanden wäre, daran erinnert das unverfilmte Drehbuch, das nun unter dem Titel "Der Tramp und die Bombe", mit einem, die wie die Rezensentin findet, informativen Nachwort von Sven Koch erschienen ist. Ob der Welt mit der Geschichte um ein postapokalyptisches New York wirklich ein großes Filmkunstwerk versagt geblieben ist, scheint Lueken zu bezweifeln, aber dass der Stoff nicht nur zwei bedeutende Persönlichkeiten aus der goldenen Ära des Hollywoodkinos zusammengebracht, sondern auch auf bemerkenswerte Weise den linken amerikanischen Zeitgeist nach Hiroshima und Nagasaki eingefangen hätte, das steht für die Rezensentin fest.
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