Friedrich Wilhelm Murnaus "Der Gang in der Nacht", Charlie Chaplins "City Lights", Arthur Penns "Miracle Worker", Akira Kurosawas "Ran" oder "Proof" von Jocelyn Moorhouse sind Spielfilme, die Blinde zeigen. Blinde und Blindheit gehören zu den ältesten Motiven im Kino überhaupt. In ihnen denkt das Kino über sich selbst nach. Seine oft für allzu selbstverständlich gehaltenen Voraussetzungen, die Behauptung, es könne sehen, ja das Sehen lehren, die Rede von der Kamera als von einem Auge, all das steht im Motiv des Blinden und der Blindheit auf der Probe oder zumindest zur Debatte.
Wer ins Kino geht, verschließt zumindest für einen Moment die Augen vor der eigenen Realität. Und genau dieses paradoxe Verhältnis von Blindheit und Kino nimmt sich Stefan Ripplinger in seinem Essay "I can see now" vor, den Rezensentin Astrid Hackel offenbar mit Gewinn gelesen hat. Zumindest erhebt sie in ihrem Lektürebericht keinerlei Einwände. Anhand verschiedener Filme - von Charlie Chaplins "City Lights" über Akira Kurosawas "Ran" bis zum Thriller "Wait until Dark" - behandelt Ripplinger die Figur des oder der Blinden, die Übergangsmomente, in denen Sehende erblinden oder umgekehrt, oder das Dilemma, dass sich Blindheit einfach nicht adäquat im Film darstellen lässt. Für Hackel wurde deutlich, dass das Kino in besseren Momenten die Blindheit dazu nutzt, über sich selbst nachzudenken.
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