Aus dem Englischen von Rudolf Mast. Aus der Menge der Seglerfamilien an der Ostküste der USA sticht die enge Beziehung der Kennedys zu ihrer Yacht Victura heraus. Joe jr., John F. und Bobby jagten das noch nicht einmal acht Meter lange Boot, das 1932 in den Familienbesitz gelangte, endlose Male über das Meer; wenn einer der Söhne bei einem Rennen nicht alles gab, sprühte ihr Vater vor Zorn. Als John F. im Zweiten Weltkrieg einen U-Boot-Untergang überlebte, waren die Kennedys fest davon überzeugt, dass seine Erfahrungen an Bord der Victura der Grund für sein Überleben waren. Hochglanzbilder des späteren Präsidenten und seiner Frau Jackie auf dem sonnigen Deck der Yacht verliehen dem Kult den letzten Schliff. Aber auch Ted navigierte an allerlei Untiefen vorbei, ehe er sich als "Löwe des Senats" einen Ruf machte; und die Kinder und Kindeskinder seiner früh verstorbenen Brüder trieben die Victura noch Jahrzehnte später über die Wellen. In seinem Buch zeichnet James W. Graham die Lebenslinien einer amerikanischen Dynastie nach, die wie keine zweite Mythos und Lifestyle verkörpert und deren Schicksal oft Nährboden für Verschwörungstheorien war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2015
Stephan Wackwitz ist nicht überzeugt von James W. Graham und seinem Versuch, Segeln und Politik zusammenzudenken. Die Idee scheint ihm gut, doch an der Umsetzung hapert es laut Wackwitz. Offensichtlich scheint ihm zwar die maritime Metaphorik in den Reden der Kennedys, in ihrer Siegermoral und dem Drängen auf unbedingten Erfolg. Doch kennt Wackwitz die ganze Geschichte. Das Scheitern lässt ihm all das als lebenslanges Versprechen erkennen, und lieber scheint ihm die existenzialistische, auch Niederlagen erlaubende Lesart in Hemingways "Der alte Mann und das Meer". Auch wenn es dem Autor mitunter gelingt, die maritimen Jugenderfahrungen der Kennedys mit ihren politischen Laufbahnen zu verbinden, für wirkliche Erkenntnis reicht das nicht, findet Wackwitz.
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