Los Angeles ist die Stadt der erfüllten und unerfüllten Sehnsüchte. Keine Stadt der Welt ist medial so allgegenwärtig wie diese, keine produziert so viele Mythen und Legenden. Und keine kann zugleich so hart, brutal und zerstörerisch sein.
Jan Brandt bringt diesen schillernden Kosmos auf unerhörte Weise zum Sprechen. Er erzählt von Menschen, denen er auf Streifzügen begegnet ist: von Neohippies bis zum Starkoch, vom Start-up-Unternehmer und einer jungen Auftragsdichterin bis zum Gangsta-Rapper. Es sind Geschichten von Glücksrittern, die versuchen, trotz aller Widerstände den amerikanischen Traum zu leben. In "Stadt ohne Engel" verbinden sich literarische Reportagen mit Essays, persönliche Begegnungen und Beobachtungen mit Zeitungsartikeln. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten verschmelzen zu einem kollektiven urbanen Rauschen. Es ist ein Buch über die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt - und über einen Autor, den es wegzieht vom Schreibtisch in der Stipendiatenvilla, weg von der Arbeit am Roman und hinein in diese pulsierende Stadt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.01.2017
Judith Köneke kann nicht mehr als Beobachtungen erkennen in Jan Brandts Texten aus L. A. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Stipendiat in der Villa Aurora in der Stadt nicht richtig ankommt, wie Köneke findet. Die literarischen Reportagen über Rapper, erfolgreiche Caterer und weniger erfolgreiche Dichterinnen sind für Köneke am besten, wenn Brandt nah an den Menschen ist. Versucht der Autor hingegen, Phänomene wie Amazon und Google, Hollywood und Spiritualität miteinander kurzzuschließen, steigt die Rezensentin mitunter aus. Auch weil Brandt oft sehr ins Detail geht oder nebenbei aus seiner eigenen Familiengeschichte erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2016
Oliver Jungen begegnet nicht gerade dem Romancier Jan Brandt in diesen bei einem Aufenthalt in der Villa Aurora in Los Angeles entstandenen Reportagen, aber doch einem literarischen Arrangeur von einigen Gnaden. Indem der Autor Gespräche mit Menschen aus L.A. mit eigenen Eindrücken und Befindlichkeiten mixt, entsteht laut Rezensent ein durchaus beachtlicher Erzählbogen als Teil von Brandts selbstreflexivem Großprojekt, wie Jungen findet, eine souveräne, lust- und temporeich kredenzte Stadterzählung über Themenparks, Digitalavantgardisten, Promis, Clowns und Helden ante Trump.
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