Eden
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783869712598
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Was tun, wenn plötzlich alles, woran wir glauben, auf der Kippe steht? Ein Roman über eine Familie, die mit der Tochter auch den Zusammenhalt zu verlieren droht. Und von einer Gesellschaft, die immer weiter auseinanderdriftet. Für die lebensfrohe Sofie ist ihre Familie ein Glücksfall. Sie, ihr Vater Markus und ihre Mutter Kerstin geben einander Sicherheit und wissen auch, was dem jeweils anderen wichtig ist. Als Markus seine Tochter mit Konzerttickets für ihre Lieblingssängerin überrascht, geht für diese ein Traum in Erfüllung. Der Abend nimmt jedoch eine schreckliche Wendung: Auf dem Konzert wird ein Anschlag verübt, auch Sofie ist unter den Opfern. Das einst so glückliche Ehepaar verliert die Balance. Währenddessen spitzt sich die gesellschaftliche Situation zu und die Familie muss mitansehen, wie ihr Unglück politisch instrumentalisiert wird. Im Moment tiefster Verzweiflung erinnert sich Markus an die soziale Lebenskraft seiner Tochter und beschließt, nicht aufzugeben. Er sucht weiterhin das Gespräch und fasst sogar den gewagten Entschluss, die Familie des Mörders aufzusuchen …
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2025
Mit Einschränkungen positiv bespricht Rezensent Nils Kahlefendt Jan Costin Wagners neuen Roman. Wagner, bislang Spezialist für psychologisch feinsinnig ausgearbeitete Krimis, entfernt sich diesmal komplett vom angestammten Genre - und das obwohl die Handlung sich um ein Verbrechen dreht. Es geht um einen Terroranschlag bei einem Konzert: Vorbild ist wohl das Selbstmordattentat bei einer Ariana-Grande-Show 2017, bei Wagner heißt der Popstar Ariana la Vega. Unter den Opfern ist Sofie, Tochter der Hauptfigur Markus. Im Folgenden geht es nicht um eine Ermittlung, sondern um die Nachwirkungen der Tat bei den Überlebenden, Markus beginnt akribisch im Internet zu recherchieren, Sofies Mutter Kerstin hingegen möchte die Details der Tat am liebsten verdrängen. Soweit Wagner auf dieser persönlichen Ebene bleibt, gefällt das in einem lakonischen Stil gehaltene Buch Kahlefendt gut. Weniger gelungen findet er Passagen, in denen arg holzschnitthaft eine gesellschaftliche Rahmung des Geschehens bemüht wird, etwa wenn eine Romanfigur in Verschwörungskreise abdriftet, auch der Versuch, dem Attentäter selbst psychologisch näher zu kommen, misslingt. Als eine Erzählung über eine plötzlich nicht mehr funktionierende Normalität hält Kahlefendt dieses Buch jedoch durchaus für gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.09.2025
Wagemutig ist dieser Roman, meint Rezensent Christoph Schröder, der der Ansicht ist, dass das Wagnis sich insgesamt, bei einigen Abstrichen, lohnt. Die Geschichte, die der Autor Jan Costin Wagner entwirft, dreht sich um einen wohl dem Anschlag auf ein Ariana-Grande-Konzert im Jahr 2017 nachempfundenen Terroranschlag: Die zwölfjährige Sophie besucht eine Show einer berühmten Sängerin und gehört zu den Opfern einer Bombenexplosion. Multiperspektivisch wird, lesen wir, bereits das Attentat geschildert, später geht es um die Trauerarbeit der Eltern des Mädchens, insbesondere um die Reaktionen ihres Vaters Markus, der auch mit Verschwörungstheoretikern und sogar mit Alice Weidel höchstpersönlich aneinander gerät. Gut gefällt dem Rezensenten, wie sich Wagner in die Figuren einfühlt und etwa das sich ausbreitende Schweigen zwischen Markus und dessen Frau in Worte fasst. Manche Wendung, die die Geschichte nimmt, mag etwas forciert anmuten, gesteht Schröder ein, und auf eine Darstellung des Innenlebens des Attentäters Ayoub hätte er auch verzichten können. Dennoch ist er beeindruckt davon, wie das Buch uns dazu zwingt, uns mit ganz unterschiedlichen Perspektiven auseinander zu setzen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2025
Generell konstruiert Jan Costin Wagner in seinen Romanen eher "psychologische Tiefenbohrung" als klassische Krimi-Plots - so auch hier, wie eine beeindruckte Rezensentin Andrea Gerk versichert. Die Tochter von Kerstin und Markus wird bei einem Selbstmord-Attentat in einer Konzerthalle getötet. Mit feinem Gespür für die vielfältigen Facetten der Trauer schildert Wagner, wie das Ehepaar langsam über den Verlust auseinander driftet und wie unterschiedlich Kerstin und Markus mit dem Verlust umgehen. Während Markus aller Informationen über das Attentat habhaft zu werden sucht und sogar die Familie des Attentäters besucht, verschweigt Kerstin ihrer Mutter im Pflegeheim den Verlust der Enkelin - um die Illusion aufrecht zu erhalten, dass sie noch am Leben ist. Auf riskante Pfade begibt sich der Autor, wenn er die Geschichte kurz auch aus der Erzählperspektive des Attentäters schildert, meint die Kritikerin, aber das Experiment glückt mit Bravour. Wie auch dieser ganze "berührende, hellsichtige und packende Roman", schließt Gerk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.08.2025
In ihrer Besprechung von Jan Costin Wagners neuem Kriminalroman widmet sich Rezensentin Sylvia Staude vor allem einer inhaltlichen Rekapitulation: In den Romanen Wagners spielen immer auch familiäre und gesellschaftliche Themen eine Rolle, erzählt sie, hier ist es ein Attentat bei einem Konzert, das Markus und Kerstins Tochter Sofie tötet. Kerstin funktioniere wie auf Autopilot, Markus schlage sich beim Recherchieren die Nächte um die Ohren. Er macht sich dann auch auf die Suche nach dem Attentäter und dessen Familie, kann nicht loslassen, schildert Staude, die hier aus vielen Perspektiven erfährt, wie der Anschlag geschehen konnte. Vieles bleibt in Andeutungen stecken, große Erklärungen gibt es nicht, fügt sie noch an.