Alternative Lebensformen gewinnen wieder an Aktualität. In den Siebzigerjahren war die Aussteigerbewegung eine romantische Jugendkultur in einem satten Land, heute sind die Gründe für die Suche nach einem einfacheren Leben andere: das Wachstum verliert an Geschwindigkeit, die Menschen müssen Kompromisse eingehen, wenn sie von ihrem Einkommen noch so gut leben wollen, wie sie es gewohnt sind. Sie müssen Mobilität versprechen, Überstunden machen, auf Familie und freie Zeit verzichten. Die Entfremdung nimmt zu. Jan Grossarth hat auf einer Rundreise mit dreizehn Stationen in Deutschland, der Schweiz und Norditalien Menschen besucht, die es gewagt haben, sich den Tretmühlen zu entziehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.05.2011
Nicht ein einziges Mal kommt in diesem Buch das Wort "Spinner" vor. Rudolf Neumaier findet das erstaunlich. Hat sich der Autor Jan Grossarth (im wirklichen Leben Wirtschaftsredakteur bei der FAZ) doch unter die Randgestalten unserer Gesellschaft begeben, um herauszufinden, wie sichs barfuß und mit Plumpsklo und ohne Konsum in kleinen Kollektiven oder als Einmann-Gemeinschaft leben lässt. Dass Grossarth Bauchschmerzen kriegt, weil er die Essensgewohnheiten eines als Elf lebenden Aussteigers nicht verträgt, bemerkt Neumaier übrigens auch ganz ohne Häme. Dahinter steckt wohl auch die in diesem Buch gemachte Erfahrung: Autark leben, das geht.
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