Tuvia Tenenbom

Allein unter Deutschen

Eine Entdeckungsreise
Cover: Allein unter Deutschen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518463741
Gebunden, 430 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Mit Fotos von Isi Tenenbaum. Tuvia Tenenbom, aufgewachsen als Sohn eines Rabbiners in Jerusalem, begibt sich auf Entdeckungsreise durch Deutschland: von Nord nach Süd, von Ost nach West, in die Stadt, aufs Land, in die Kirchen und in die Kneipen. Auf seiner Suche nach der deutschen Identität schreckt er vor keiner Begegnung zurück. Er interviewt Helmut Schmidt, Giovanni di Lorenzo und Kai Diekmann, er ist zu Gast in einem rechtsradikalen Club, er begleitet linke Autonome auf Erste-Mai-Demonstrationen. Er beobachtet die Biertrinkernation im WM-Sommer 2010, er besucht Synagogen, die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald, den Weltkirchentag, die Passionsspiele in Oberammergau. Er spricht mit Studenten und Professoren, mit Bankern und Industriellen, mit Politikern und Künstlern, mit Bürgermeistern und Schrebergartenbesitzern, mit Obdachlosen und Junkies. Quer durch alle gesellschaftlichen Schichten stellt er immer wieder die gleichen, drängenden Fragen: Wie ist es um den Nationalstolz der Deutschen bestellt? Wie gehen sie mit der deutschen Vergangenheit, wie mit dem Antisemitismus um? Wie reflektiert und kritisch sind sie dabei?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2013

Sieglinde Geisel zweifelt ein wenig an den hehren Absichten von Tuvia Tenenbom, denn: "Wer ernsthaft gegen den Antisemitismus kämpft, hat keinen Grund, sich seine Antisemiten herbeizuschreiben", meint sie. Und genau das tut Tenenbom ihr zufolge, er verdreht Aussagen, suggeriert böswillig und zieht voreilige Schlüsse, so sehr, dass einige Interviewpartner des Autors rechtliche Schritte gegen ihre Darstellung in "Allein unter Deutschen" erwägen, wie die Rezensentin weiß. Dabei findet sie das Spiel, das Tenenbom treibt, stellenweise hoch amüsant, er treibt es ihr bloß zu weit, zum Beispiel wenn er einer Friedensaktivistin in den Mund lege, sie sei zwar für eine heile Welt, allerdings "vorausgesetzt, der Jude bleibt draußen". Der "Blick des tumben Außenseiters" eigne sich zwar für humorvolle Einlagen, für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit offenem oder latentem Antisemitismus in Deutschland taugt er kaum, so das Fazit der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.12.2012

Der Erkenntnisgewinn dieses Buchs ist gleich null, konstatiert Barbara Bollwahn in einer eher ungnädigen Kritik dieses umstrittenen Buchs. Ihr gefällt die Sacha Baron Cohen-Attitüde nicht, mit der sich Tenenbom etwa auf den Balkon des Hotels Elefant in Weimar stellt, wo einst auch Hitler logierte, und wie dieser herunterwinkt. Sie findet's nicht witzig, und auch nicht intelligent. Leicht erstaunt registriert sie auch, dass Tenenbom die Deutschen zwar durchweg als Antisemiten identifiziert, aber dennoch behauptet, sie irgendwie zu lieben. Und sei es nur wegen ihrer Schnitzel.

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