In seinen Essays diskutiert Jan Philipp Reemtsma das Unbehagen an einer Zivilisation, zu der die Gewalt als mögliche, vielleicht sogar als attraktive Lebensform gehört, eine Lebensform, die sich nicht aus niederen Instinkten, sondern aus praktizierter Bedenkenlosigkeit, aus der Gewährung von Macht oder aus dem Versprechen vermeintlicher Grandiosität erklären lässt. Er geht diesem Problem in seiner historischen, rechtlichen und anthropologischen Dimension nach, indem er Werke der literarischen Tradition seit der "Ilias" nach den in ihnen enthaltenen und künstlerisch gestalteten Gewaltkonstellationen befragt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2020
Rezensent Thomas Steinfeld profitiert von der Gelehrtheit des Autors Jan Philipp Reemtsma und von seinem "unerbittlichen" Zugriff auf das Phänomen Gewalt. Die Essays des Bandes um Herders Geschichtsverständnis, um Gewalt in der "Ilias" oder Walter Kempowski verfolgen laut Steinfeld mal einen historischen, mal einen systematischen Ansatz und konfrontieren den Leser mit dem "harten Grund der Geschichte". Für Steinfeld so bedrückend wie erhellend.
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