Tage auf dem Land
Roman

Hanser Berlin, Berlin 2025
ISBN
9783446281769
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Monika Baark. Man kann spannender aufwachsen als Marigold Green. Das Jungeninternat in Yorkshire, dem ihr Vater vorsteht, ist alles, was sie mit siebzehn von der Welt gesehen hat, richtige Freunde hat sie keine, und die Kommunikation mit ihrem Vater beschränkt sich auf schweigsame abendliche Schachpartien. Grell sind hier nur ihre leuchtend orangeroten Locken, ihre übersteigerte Fantasie und ihr vollkommen unangepasstes Auftreten. Da kehrt aus dem Nichts ihre einzige Kindheitsfreundin Grace zurück, von der sie jahrelang nichts gehört hat, umwerfend schön, nonchalant und rätselhaft, und plötzlich ist nichts mehr, wie es war …
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.08.2025
Rezensentin Petra Pluwatsch freut sich über die erstmalige deutsche Übersetzung von Jane Gardams Coming-of-Age-Roman um Marigold Bilge Green - "halb Prinzessin, halb Romanfigur", aber mit "orangefarbenem, krausem Haar" und "Augen in Teetassengröße". Aufgewachsen im Jungeninternat St. Wilfrid's, beschreibt Bilge ihr Außenseiterdasein mit bissigem Humor: schrullige Lehrer, spöttische Mitschülerinnen, Donnerstagstreffen des Vaters, lesen wir. Gardam gelinge es, so Pluwatsch, eine "selbstironische kleine Besserwisserin" zu zeichnen, der wenig entgeht. Der Alltagstrott endet, als die glamourös-verdorbene Grace Gathering auftaucht und Bilge zu neuem Selbstbewusstsein verhilft: "Ich sah in den Spiegel … bemerkenswerte Haare". Zwei Verehrer treten auf, doch Bilge hat nur Augen für den Schulsprecher Jack Rose. Für Pluwatsch: feinsinnig, komisch und schlicht ein Lesegenuss.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 01.08.2025
Nicht auch nur eine Sekunde lang hat sich Rezensent Eberhard Falcke bei der Lektüre von Jane Gardams Debütroman gelangweilt, und das obwohl das Setting und die Themen keineswegs neu sind: "Tradition und Efeu ranken um Menschen und Gemäuer" - so beschreibt Falcke die vertraute Atmosphäre, in der die kluge, junge Heldin aufwächst und in der wir Leser sie kennenlernen. Im Laufe der Geschichte entdeckt diese Heldin ihre Sexualität, sie verliebt sich, trifft wichtige Zukunftsentscheidungen und entwickelt sich von einer selbstbewussten Außenseiterin zum bewunderten Star der Internatsschule. Ein recht klassischer Internats- und Coming-of-Age-Roman also. Originalität gewinnt "Tage auf dem Land", dessen einziger Makel der Titel der ansonsten sehr gelungenen deutschen Übersetzung ist, vor allem durch seine herrlich schlagfertige Heldin und Gardams erzählerisches Können. Schon damals in den Siebzigern wusste die britische Autorin, die im deutschsprachigen Raum erst nach der Jahrtausendwende bekannt wurde, wie man dramatisch und zugleich urkomisch erzählt, voller Pointen, Situationskomik und satirischer Kommentare, ohne die Figuren und ihre Gefühle dem Ulk preiszugeben, so der amüsierte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.07.2025
Wie schön, dass dieser Roman von Jane Gardam nach fast fünfzig Jahren nun endlich auf Deutsch vorliegt, befindet Rezensentin Andrea Gerk: Im Zentrum steht Marigold, deren Mutter bei der Geburt gestorben ist und deren Vater ein Jungsinternat leitet, was der ganzen Geschichte einen märchenhaften Anstrich gibt. Die Erzählerin ist fantasiebegabt und herrlich unzuverlässig, betont Gerk, die Geschichte nimmt sprunghaft an Lebenskraft zu, als Marigold ein Make over von einer Freundin bekommt und sich als Schönheit offenbart, die von den Internatsschülern begehrt wird. Fantasievoll, sprachkünstlerisch und faszinierend, schließt die völlig in den Bann gezogene Kritikerin.