Zeiten der Einsamkeit
Erkundungen eines universellen Gefühls

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446282674
Gebunden, 224 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Immer mehr Menschen leiden unter Einsamkeit: ein Megathema unserer Gesellschaft, nicht erst seit Corona. John hat den Tod seiner Eltern nie überwunden und stürzt in die Einsamkeit. Marta leidet unter der Gewalt ihres Mannes und zieht sich aus der Welt zurück. Dolores hat als Sängerin den Weg aus der Armut auf die Bühne gefunden, wird dabei aber ihrer Familie fremd. Einsamkeit kennt viele Ursachen und Ausprägungen. Nicht erst seit Corona leiden immer mehr Menschen darunter, allein zu sein. Vor kurzem hat die Bundesregierung eine Strategie gegen Einsamkeit auf den Weg gebracht. Was hat sich verändert in unserer Gesellschaft? Steigt mit der Freiheit, das Leben selbst zu bestimmen, das Risiko, zu vereinsamen?
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Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.03.2025
Einsamkeit in ihren unterschiedlichen Facetten erkundet der Soziologe Janosch Schobin in seinem Buch "empathisch und wissenschaftlich-distanziert" zugleich, erfahren wir von Rezensentin Yi Ling Pan. Anhand von unterschiedlichen Einsamkeits-Schicksalen lote Schobin das thematische Feld aus, da gehe es beispielsweise um die Frage, wie die Einsamkeit eines Verschwörungstheoretikers mit dessen verqueren politischen Ansichten zusammenhängt, oder auch um den von Nachbarn unbemerkten Tod eines einsamen Menschen. Die These, dass Einsamkeit vor allem in westlichen Gesellschaften zunehme, vertritt Schobin aber nicht, erklärt die Kritikerin. Zwar sind die familiären Strukturen nicht mehr so stark wie früher, dagegen stellt er aber den "Diskriminierungs- und Armutsabbau" in modernen Gesellschaften, der Einsamkeit entgegenwirken kann. Ein "nahbarer" Stil, zugleich Ausflüge in die Forschung - Schobin vereint hier gute Zutaten, findet die Rezensentin, manchmal hätte sie sich allerdings noch tiefergehende Analysen beziehungsweise konkretere Antworten gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2025
Ein wohltuend unaufgeregtes Buch über Einsamkeit legt Janosch Schobin hier laut Rezensent Thomas Steinfeld vor. Der Soziologe Schobin breitet nach einem die Geschichte der Einsamkeit insbesondere seit dem 18. Jahrhundert beleuchtenden Vorwort, nicht ganz ein Dutzend Fallstudien aus, die jeweils unterschiedlichen Formen von Einsamkeit gewidmet sind. Es geht es unter anderem um eine deutsche Auswanderin, die jetzt in Brasilien lebt und sich dort weniger einsam fühlt, und um Frauen, die ihre Ehemänner verloren haben und einsam altern. Wobei die oft als besonders schwierig beschriebene Einsamkeit vor dem Tod, so Schobin Steinfeld zufolge, insgesamt öfter Männer als Frauen betrifft. Weiterhin argumentiere der Autor, dass Einsamkeit in jüngerer Zeit entgegen entsprechender Vorurteile, eher nicht zugenommen habe. In der Zukunft, meint Steinfeld, Schobin zusammenfassend, könnte das Leben vieler Menschen aufgrund neuer Entwicklungen in den Bereichen KI und Pharmazie aber durchaus einsamer werden. Insgesamt freilich hat Schobin kein alarmistisches, sondern ein sorgfältig recherchiertes Buch geschrieben, das, freut sich Steinfeld, die Komplexität von Einsamkeit in den Blick nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2025
Rezensent Gerald Wagner hadert zunächst mit der Form des "soziologischen Erzählens", die Janosch Schobin in seinem Buch wählt: er möchte die Universalität des Gefühls der Einsamkeit in den Blick nehmen und präsentiert dafür sehr partikulare Einzelfälle, deren Auswahl man einfach hinnehmen muss, so Wagner stirnrunzelnd. Streng soziologisch sei das natürlich nicht, sondern eher literarisch, und auch da laufe nicht alles reibungslos: so attestiert der Kritiker dem Autor einen "nervigen Sound", der mit seiner leicht angeberischen Art nicht zum Thema passe, und hätte auch auf einige kuriose "Stilblüten" lieber verzichtet. Aber dann kann er sich mit ein wenig gutem Willen doch auf Schobins Reise durch Deutschland, Chile und die USA einlassen und lobt ihn als "guten Erzähler" mit Einfühlungsvermögen, dem es über treffende Beobachtungen und Beschreibungen gelinge, das Gefühl der Einsamkeit für den Leser erfahrbar zu machen und dann sogar doch noch mit "luziden soziologischen Begriffsbildungen" zu verbinden. Für Wagner eine gewöhnungsbedürftige, dann aber lohnende Lektüre.