Survival of the Richest
Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518029992
Kartoniert, 281 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. Spätestens seit der Allianz von Donald Trump und Elon Musk ist klar: Die Tech-Milliardäre sind nicht nur die reichsten Männer der Welt, es geht ihnen auch um politische Macht und um die radikale Umgestaltung von Gesellschaft und Natur. Als Douglas Rushkoff eine Einladung in ein exklusives Wüstenresort erhält, nimmt er an, dass er dort über Zukunftstechnologien sprechen soll. Stattdessen sieht er sich Milliardären gegenüber, die ihn zu Luxusbunkern und Marskolonien befragen. Während die Welt mit der Klimakatastrophe und sozialen Krisen ringt, zerbrechen sich diese Männer den Kopf, wie sie im Fall eines Systemkollapses ihre Privatarmeen in Schach halten können. Der Medientheoretiker Rushkoff verfolgt die Internetrevolution seit Jahrzehnten, ist Erfinder der Begriffe "viral gehen" und "Digital Natives", bewegte sich lange im Kreis von Vordenkern und kreativen Zerstörern. In einer Zeit, in der Elon Musk und Peter Thiel sich immer stärker in die Politik einmischen, rekonstruiert er, wie aus der Aufbruchsstimmung der 1990er ein Programm aus Angst und Größenwahn werden konnte. Viele Tech-Unternehmer wollen uns Normalsterbliche einfach nur hinter sich lassen, werden aber als Visionäre gefeiert. Angesichts der Zerrüttungen, die ihre Geschäftsmodelle produzieren, müssen wir uns von ihrem Mindset befreien - denn mitnehmen werden sie uns auf ihrem Exodus sicher nicht. Ein Plädoyer gegen Egomanie und für die Wiederentdeckung kooperativen Handelns
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2025
Interessiert, aber nicht ohne Skepsis liest Rezensent Thomas Ribi Douglas Rushkoffs Buch über das Selbstverständnis der Superreichen. Seinen Ursprung hatte das Buch bei einem Treffen mit fünf Multimilliardären, die vom Autor wissen wollten, wie sie kommenden Katastrophen, etwa dem Klimawandel oder sozialen Unruhen entkommen könnten, erfährt der Kritiker von Rushkoff. Paradox dabei erscheint, dass jene Reiche zwar glauben, dass Technik die meisten Probleme lösen kann, aber gleichzeitig unterirdische Bunkeranlagen planten, um der Welt und ihren Problemen zu entkommen, resümiert Ribi. Was aber, hat Rushkoff, seines Zeichens Marxist, selbst als Lösung anzubieten? Nicht allzu viel, seufzt Ribi, der Stichworte wie "Kreislaufwirtschaft" gern näher erklärt bekommen hätte. Zudem scheint Rushkoff, der aus der Cyberpunk-Tradition kommt, nicht zu bemerken, wie nah seine eigene einstige Techbegeisterung dem "Mindset", das er kritisiert, tatsächlich ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.03.2025
Viel über die Ideologie der Superreichen der Gegenwart erfährt Rezensent Tobias Obermeier in Douglas Rushkoffs Buch, das seinen Anfang bei einem Treffen nimmt, zu dem einige dieser Reichen aus der Tech-Branche den Autor einluden, um zu erfahren, wie sie den von ihnen selbst befeuerten Katastrophen am besten entkommen können, zum Beispiel mithilfe von Luxusbunkersystemen. Eben das ist Rushkoff zufolge typisch für den "Mindset" - auch in der deutschen Übersetzung ist das der zentrale Begriff - der Superreichen, die darauf hoffen, den Problemen, die sie selbst auslösen, durch technische Innovation zu entkommen, skizziert Obermeier. Was laut Rushkoff allerdings nicht funktionieren wird. Obermeier fragt sich, ob die beschriebenen Mechanismen nicht schlicht Kapitalismus as usual sind, verweist dann aber mit Rushkoff darauf, dass das Neue in der Hoffnung der Eliten besteht, sich selbst auf eine höhere Abstraktionsebene, etwa ins Zuckerberg'sche sogenannte "Metaverse" zu retten, während der Rest der Welt vor die Hunde geht. Mit klassisch kapitalistischem Wettbewerb hat das nicht mehr viel zu tun, erkennt Obermeier bei der Lektüre, umso mehr mit den antidemokratischen Visionen eines Trump oder Musk. Insgesamt jedenfalls ein ziemlicher Wahnwitz, von dem Rushkoffs lesenswertes Buch berichtet, schließt der Rezensent, dem letztlich nur die Hoffnung bleibt, dass Musk und ähnliche Gestalten sich früher oder später selbst ein Bein stellen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2025
Nicht rundum überzeugt ist Rezensent Titus Blome von Douglas Rushkoffs Buch über die Superreichen der Gegenwart, für lesenswert hält er es dennoch. Insbesondere gefällt ihm, wie hemdsärmelig und frech Rushkoff den Tech-Milliardären gegenübertritt, zu deren Welt er, anders als die große Mehrheit seiner Leser, Zutritt hat. Unter anderem schreibt er über ein Treffen mit der Silicon-Valley-Elite, lesen wir, bei dem er um Rat gefragt wurde zwecks Abkapselung vom Rest der Welt angesichts nahender Katastrophen. Dieses apokalyptische Denken hat System, lernt Blome. Laut Rushkoff sei es ein Symptom einer zutiefst asozialen Weltsicht, die von Menschen abstrahiert, auf endgültige technische Lösungen setzt und Kolonialismus mit Fortschritt kombiniert. Letztlich beschreibt Rushkoff in solchen Passagen freilich nur die bereits in den 1990er Jahren als Denkfigur erfasste "kalifornische Ideologie", der er, kritisiert Blome, nichts Neues hinzufügen kann, erst recht, weil sein Buch, obwohl im Original erst wenige Jahre alt, sich dank neuer technischer Entwicklungen wie ChatGPT bereits veraltet anfühlt. Blomes Fazit fällt dennoch positiv aus: Gerade für die Passagen über Rushkoffs Begegnungen im Silicon Valley lohne sich dieses schön freche Buch durchaus.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2025
Die Übernahme der aktuellen Kommunikationsstrukturen durch einen Klüngel von Superreichen, die Douglas Rushkoff hier schildert, ist schlimm genug. Hinzukommt dann aber noch, dass Autoren wie Rushkoff leider nicht wirklich glaubhafte Begriffe finden, um sie zu analysieren. Rushkoff beschreibt zwar die richtigen Symptome, so die Rezensentin Andrea Roedig, aber seine Analyse laufe letztlich auf ein "eitles Wischiwaschi" hinaus. Einerseits soll die Aufklärung schuld sein an der Ideologie der Tech-Oligarchen, erzählt die Rezensentin, aber wie verträgt sich das mit "drogeninduzierten New-Age-Visionen" und "fadenscheinigem Philanthrokapitalismus"? Leider liefert der Rezensentin auch der von Rushkoff als Heillehre vertretene Marxismus da nicht allzu viel Auskunft. Positiv vermerkt sie in ihrer Rezension vor allem, dass es Rushkoff gelinge, den "disruptiven" Mindset der Musks und Zuckerbergs zu beschreiben.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 10.03.2025
Faszinierend, was der Zukunftsforscher Douglas Rushkoff über die Fluchtpläne der Superreichen mitzuteilen hat, findet Rezensentin Hannah Lühmann. Mit dem bescheidwisserischen Tonfall des Buches kann sie zwar wenig anfangen, aber die Recherchen des Autors über, zum Beispiel, hochgerüstete Selbstversorgerfarmen in Pennsylvania oder unterirdische Swimming Pools mit artifiziellem Sonnenlicht bringen durchaus neue Erkenntnisse. Zudem stimmt Lühmann Rushkoff zu, wenn der prognostiziert, dass derartige Vorrichtungen sich im Fall der Fälle - es geht um mögliche Superkatastrophen im Umweltbereich, aber auch um soziale Apokalypsen - als wenig nützlich erweisen werden, da sie von zusammenbrechenden Lieferketten und Ähnlichem letztendlich doch ebenfalls betroffen wären. Gefährdet sein gehört zum Menschsein dazu, schließt die Rezensentin mit Rushkoff, und das ist möglicherweise auch gut so.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.02.2025
Rezensent Harald Staun nickt vieles ab, was Douglas Rushkoff in seinem Buch über Tech-Oligarchen schreibt, aber der übergeordnete Erkenntnisgewinn scheint sich für ihn in Grenzen zu halten. Dass superreiche Tech-Unternehmer wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Peter Thiel immer mehr auch politische Macht bekommen und dabei der Illusion verfallen sind, dass man vor dem Weltuntergang immer noch irgendwohin, und sei es ins All, flüchten könne, ist für Staun so erschreckend wie an der Tagesordnung. Lesenswert scheint er zu finden, wie der amerikanische Medientheoretiker dies als eine Flucht auf die je neue Meta-Ebene analysiert, die kein Zurück kennt. Von Vorteil sei für den Autor die eigene Vergangenheit als Mitglied einer Cyberpunk-Bewegung und auch die persönliche Begegnung mit einigen solcher Tech-Oligarchen, die Rushkoff in seine Überlegungen zum "Mindset" dieser Menschen einfließen lässt - dass er dieses Asperger-ähnliche Mindset sowohl als Symptom als auch als Ursache eines "westlichen, linearen Fortschrittstrebens" sieht, wie Staun den Autor zitiert, sei dann auch die "Pointe" Rushkoffs. Das scheint für den Kritiker in sich schlüssig dargelegt zu sein, aber wie sinnvoll er Rushkoffs Thesen, etwas sein Plädoyer für die Kybernetik als eine Art Rückkehr zur Natur, letztlich findet, wird nicht ganz deutlich.