Aus dem Französischen von Karin Uttendörfer. Nach Jahren der Abwesenheit taucht er plötzlich wieder auf: Der Mann steht am Hauseingang, eine Zigarette im Mundwinkel, und mustert den Sohn. Das harmonische Duo aus Mutter und Kind soll wieder eine vollständige Familie werden, der Vater will beweisen, dass er sich zum Guten verändert hat, und bringt die beiden nach Les Roches, zu jenem abgeschiedenen Haus in den Bergen, in dem er selbst mit einem erbarmungslosen Vater aufgewachsen war. Ein Sommer im Gebirge verspricht, die drei näher zusammenzubringen. Doch eingeschlossen von der weiten, atemberaubenden Natur geraten Mutter und Sohn zunehmend unter die Kontrolle und Macht des Vaters, der, von eigenen Glaubenssätzen gefangen, ihre neue Existenz bestimmt. In Schlaglichtern treten unausgesprochene Zwiste, brodelnde Geheimnisse und verdrängte Gefühle zutage und offenbaren, dass es aus diesem Familienausflug kein Zurück mehr gibt.In beeindruckenden, bildgewaltigen Sätzen zeichnet Del Amo mit Der Menschensohn die einengenden Prägungen und Verhältnisse, die über Generationen hinweg von den Vätern auf die Söhne übertragen werden und denen sich niemand zu entziehen weiß, sosehr er es auch versucht.
Rezensentin Cornelius Wüllenkemper ist schwer beeindruckt von Jean-Baptiste Del Amos psychologischer Beschreibungskunst, die sich in diesem Roman über einen Mann, der seine Familie terrorisiert, indem er sie zwingt in einer Hausruine in den Pyrenäen zu leben, für ihn auf jeder Seite zeigt. Die beklemmende Atmosphäre des Settings und die langsame Enthüllung eines Traumas fesseln Wüllenkemper ebenso wie Del Amos Neigung, Gefahr nur anzudeuten, nicht auszusprechen. Wenn sich die Spannung schließlich in einer dramatischen Zuspitzung entlädt, ist der Rezensent erschöpft und vollends überzeugt von diesem Roman noir.
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