Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. Ein Mann kommt nach Hause, badet seinen kleinen Sohn, liebt seine Frau und verlässt dann das Idyll. Er läuft durch einen Gang, bis er eine Türklinke sieht und den Raum dahinter betritt. Als Getriebener, in wechselnden Identitäten, mal Mann, mal Frau, hetzt er durch ein Labyrinth immer neuer Szenerien. Jede Tür führt in neue Abgründe, geprägt von Sex, Macht und Gewalt, aus denen sich der Erzähler jeweils durch einen Sprung in klares Wasser rettet, bis aus dem Herumirren eine Suche wird - doch nach was? Jonathan Littell hat sein Buch " Eine alte Geschichte" neu- und fortgeschrieben. Er erspart seinen Lesern nichts. Doch genau darum geht es Littell: Er gestattet uns nicht zu vergessen, dass nichts ungeheurer ist als der Mensch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2019

Jan Wiele kann Jonathan Littells erweiterter Neuauflage seiner Traumaufzeichnungen von 2016 nichts abgewinnen, selbst wenn jetzt "Roman" draufsteht. Um einen Roman aber handelt es sich laut Rezensent mitnichten, eher um eine Schreibübung, Variationen ein und desselben Grundmaterials, die der Autor allerdings wenig originell ausführt, findet Wiele. Woher das Material stammt und welche Bezüge es weshalb herstellt, bleibt für Wiele unklar, und seine Lust das Rätsel des Buches zu lösen, geht gegen Null, zumal Littell sich einer wenig originellen Sprache bedient, und alle Anspielungen wie auch das exzessive Schwelgen in Gewalt im Text gewollt wirken, wie der Rezensent erklärt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2019

Rezensent Joseph Hanimann bekommt mit Jonathan Littells neuem Roman Stoff zum Grübeln. Auch wenn die Monotonie der vom Autor wie in einer multiperspektivischen Erzählung variierten immergleichen Handlungssequenz durchaus an seinen Geduldsnerven zerrt, gönnt ihm Littell doch einen grotesken Blick auf unsere Alltagswelt und ihre Selbstverwirklichungsgebote. Der klinisch kalte Gestus der Erzählung wird laut Hanimann in der deutschen Fassung von Hainer Kober glücklicherweise durch sprachliche Lebendigkeit und Rauheit relativiert.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 25.05.2019

Rezensent Dirk Fuhrig kennt Jonathan Littell als obsessiven Schriftsteller, und auch in seinem neuen Roman reizt der französisch-amerikanische Autor seine Motive von Gewalt und Lust aus. Und wenn hier der Erzähler zugleich eine Erzählerin ist, die sexuellen Identitäten so fluide wie die Begierden sind, hat dies nichts mit den "akademischen Postulaten von Geschlechtergerechtigkeit" zu tun, baut Fuhrig eventuellen Missverständnissen vor: Littell ist an de Sade geschult, in strenger Komposition entwirft er eine Welt der Libertinage und Sexparties. Dem Rezensenten ist das das manchmal zu "pornografisch, kitschig, verstörend". Aber in seinen besten Momenten findet Fuhrig diese neue Version der alten Geschichte höchst poetisch und auch von hennig Kober "wirklich sehr plastisch" übersetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2019

Arno Widmann schnurrt wie gewohnt eine herrlich subjektive Rezension zusammen zu Jonathan Littells neuem Roman. Ein bisschen gruselt es ihm schon bei Littells aus Opferperspektive verfassten Sex-, Mord- und Fäkalszenen, ein bisschen. Die Genauigkeit der Beschreibungen verleitet ihn aber auch zu Jubelseufzern. Dass es sich bei dem Roman um ein Märchen handelt, für Widmann erkennbar an den vielen Wiederholungen, ist also eigentlich schade - oder nicht? In die mannigfachen erfundenen Wirklichkeiten des Erzählers taucht der Rezensent durchaus gerne ein, ahnend, dass sie genauso gut echt sein könnten.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.05.2019

Rezensent Tilman Krause hält Jonathan Littells neues Buch für die Fortsetzung der "Ästhetisierung von Sperma, Blut und Schweiß", die der Autor bereits in "Die Wohlgesinnten" begonnen hatte. Während dort aber die detailgetreue Schilderung des Nationalsozialismus im Vordergrund stand, hat sich Littell hier laut Krause ganz dem Symbolischen gewidmet. In sieben Abschnitten folgt er sieben Hauptfiguren von ihrem Auftauchen aus einem Schwimmbecken in die immer selben Räumlichkeiten, wo sie allerdings sehr unterschiedliche sexuelle Erfahrungen machen. Hierarchische gewaltvolle Begegnungen kommen hier genauso vor wie gleichberechtigte freudvolle, alle aber werden detailliert und sehr künstlerisch beschrieben, erzählt der Rezensent, den Littell damit an einen ästhetischeren Marquis de Sade erinnert. Krause versteht diese Abfolgen als Vergegenwärtigung des Kreislaufs des Lebens, in dem Leid und Freude sich abwechseln.