Kurz vor seinem Tod 1983 erschien Luis Buñuels Autobiografie "Mein letzter Seufzer", die Jean-Claude Carrière nach langen Gesprächen mit dem Regisseur aufgezeichnet hatte. 2011 schreibt Carrière - das literarische Genre der Totengespräche aufgreifend - eine Fortsetzung. Der 1982 geäußerte Wunsch Buñuels bildet den Ausgangspunkt für das Buch: "Ein Geständnis: Trotz meines Hasses auf die Medien würde ich gern alle zehn Jahre von den Toten auferstehen, zu einem Kiosk gehen und mir ein paar Zeitungen kaufen. Mit den Zeitungen würde ich zum Friedhof zurückkehren und von den Katastrophen der Welt lesen, um dann im sicheren Schutz meines Grabes beruhigt wieder einzuschlafen." Dreißig Jahre später besucht Carrière mit einem Stapel Zeitungen und einer Flasche Wein Buñuel in seinem Grab, und die beiden setzen ihr zu Lebzeiten begonnenes Gespräch über den Tod hinaus fort.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2018
Rezensent Fritz Göttler hat sich von Jean-Claude Carriere gern auf einen Plausch mit dem toten Luis Buñuel einladen lassen. Denn Carriere, Schriftsteller, Drehbuchautor und enger Vertrauter Buñuels hat den Filmregisseur in diesem Buch noch einmal auferstehen lassen, verrät der Kritiker, der mit den beiden ein paar Nächte lang über Kommunismus, Aids, Internet, den elften September, aber auch einstige Weggefährten und vergangene Ereignisse philosophiert. Amüsiert liest Göttler darüber hinaus, wie Buñuel mit bitterbösem Humor und größerer Verachtung denn je auf die Menschheit im Allgemeinen und Ästheten im Besonderen blickt. Und wie Carriere und Buñuel in diesem Text zu einem "merkwürdigen Doppelwesen" verschmelzen, hat den Rezensenten ebenfalls beeindruckt.
Wer, wenn nicht Jean-Claude Carrière, langjähriger Vertrauter und Ghostwriter von Bunuels Autobiografie "Mein letzter Seufzer", dürfte diese "Grabschändung" begehen, fragt Rezensent Jan Küveler. Längst überfällig scheint ihm dieses Buch, in dem Carrière den Surrealisten noch einmal zum Leben erweckt, ihn über Gott und die Welt, Leben und Tod plaudern lässt und nebenbei interessante Einblicke hinter die Kulissen der Filmdrehs gewährt. Witz, Kultur und Abgeklärtheit der Autobiografie funkeln auch in diesem Buch, versichert Küveler.
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