Herausgegeben und aus dem Französischen von Robert Fischer. Nach dem gleichen Prinzip wie François Truffauts Klassiker über Hitchcock aufgebaut, zeichnen sich diese Gespräche zwischen Jean-Pierre Melville und Rui Nogueira von 1970 - nach dem Tod Melvilles 1973 bei den Cahiers du Cinema erschienen - durch die Qualität der Fragen und die starke Bindung an die Persönlichkeit des Befragten aus. Jean-Pierre Melville, geb. 1917, Wegbereiter und spiritueller Vater der Nouvelle Vague, gilt als Meister der Kinosprache, für den das Kino etwas Heiliges war. Von Anfang an unabhängig in seiner Personalunion als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor, schlug er einen eigenen Weg als Ästhet und Chronist der Unterwelt ein, inspiriert von zwei großen Filmgenres, dem amerikanischen Film Noir und dem Western, gesehen aus der Perspektive eines europäischen Großstädters. Die deutsche Erstausgabe - mit einem Vorwort von Jean-Pierre Melville selbst und eingeleitet von Rui Nogueira - zeichnet das Bild eines extremen Menschen: direkt, schnell, bissig, fesselnd.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.11.2002
Die verspätete deutsche Übersetzung der Gespräche von Rui Nogueira mit Jean-Pierre Melville begrüßt Fritz Göttler. Denn Melville war laut dem Rezensenten "der Fürst unter Frankreichs Filmemachern". Aus einer Verlegenheit entstanden, zeichnet das Buch ein Bild des Regisseurs, der auch als Schauspieler wirkte, wie Göttler berichtet. Dabei beeindruckt den Rezensenten, wie Melville in diesen Gesprächen in den sechziger Jahren und auch später sich selbst treu geblieben ist. So charakterisiert er Melville als autoritären Methodiker, der kein Jota von seinen Ideen abweiche und damit "an den Wahnsinn grenzt". Der Reiz dieses Porträts besteht für den Rezensenten darin, dass in der Person des "unabhängigen Filmemachers" gleichzeitig eine "wahre Geschichte Frankreichs nach dem Krieg" gezeichnet wird. So sei dann auch Melvilles Werk zu sehen.
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