Aus dem Französischen von Anke Beck. Jean-Claude Kaufmanns Studie ist ein Rundgang durch die "Fabrik der Identitäten" mit ihren unzähligen Möglichkeiten, dem eigenen Leben Sinn zu geben. Er zeigt, wie schwer Identitätsarbeit und wie erschöpfend es ist, man selbst zu sein, aber auch, welche Strategien es gibt, um dieser Anstrengung zu entfliehen. Er erzählt von Individuen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens, beim Blättern im Fotoalbum oder am Morgen nach der ersten Liebesnacht, als Beatles-Fans oder Anhänger einer Religion. Mit Hilfe der Reflexion gelingt es dem modernen Menschen in einer unsicheren Welt, sich selbst zu finden und erfinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.11.2005
Auch wenn letzte Fragen unklar bleiben, findet Peter Kropp diesen Versuch des Soziologen Jean-Claude Kaufmann, eine Theorie der Identität zu entwickeln, die das Zusammenspiel von Individuum, Gesellschaft und Identitätsarbeit in den Blick nimmt und mit der Frage nach Sinngebung verknüpft, durchaus aufschlussreich. Sein Überblick über bisherige Theorieansätze wirkt auf Kropp recht "akrobatisch", erweist sich doch der Identitätsbegriff als flächendeckend definitionsresistent. Immerhin kristallisiert sich als gemeinsame Fragestellung heraus, ob sich der Prozess der Identitätsbildung eher individuell und subjektiv oder kollektiv und objektiv umschreiben lässt. Die Gegenwart beschreibe Kaufmann als Zeitalter einer radikalen Individualisierung, die zu Konkurrenzkampf, Vereinsamung, Depression führe. Etwas überraschend findet Kropp, dass Kaufmann im Schlusskapitel ein Zurück als nicht möglich und nicht wünschenswert ausschließt, zumal ihm der gesamte Text bis dahin "wie eine Krankheitsgeschichte des Subjekts in Zeiten der radikalen Individualisierung" vorkam. Der Autor meine offenbar, das Individuum könne all die vielfältigen Faktoren mithilfe der Schablone der Reflexion filtern, um sich selbst zu finden und seinem Leben Sinn zu geben. Zum Bedauern des Rezensenten verrät Kaufmann allerdings nicht, "wie dieser Zauber funktionieren könnte".
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