Der "Globale Süden" bezeichnet die außereuropäischen, postkolonialen Gesellschaften. Sie werden meist mit prekärer Entwicklung, gescheiterten Staaten, Korruption und Armut assoziiert. Jean und John Comaroff widersprechen dieser Sicht vom rückständigen Süden. Mehr noch: Erst aus der Perspektive Afrikas, so ihre These, lässt sich die globalisierte Welt verstehen. Denn im Süden zeigt sich in vielerlei Hinsicht die Zukunft des Nordens, sei es im Verhältnis von Staat und Wirtschaft, im Umgang mit der Vergangenheit oder bei der Integration von Migranten. Um dies zu sehen, müssen wir uns von gewohnten Ansichten verabschieden. So verbinden wir die europäische Moderne mit Wissenschaft, Aufklärung und Demokratie Kategorien, die sich nicht ohne Weiteres auf nicht-westliche Gesellschaften übertragen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2013
Interessante Perspektiven und Argumente für das Verständnis der heutigen globalen Ordnung erhält Andreas Eckert mit diesem Essayband der Sozialanthropologen Jean und John L. Comaroff. Die These, dass Staaten wie Nigeria, Indien, Brasilien und China im Zentrum des globalen Kapitalismus stehen, vertreten die Autoren laut Eckert derart schwungvoll, dass sich westliches Überlegenheitsdenken damit locker infrage stellen lässt. Zwar halten die Autoren am Moderne-Konzept fest, wie der Rezensent erläutert, zugleich jedoch weisen sie nach, dass viele Innovationen des Nordens aus der kolonialen Begegnung enstanden sind. So lückenhaft Eckert die Fundierung der These von der Vorreiterrolle der "Südstaaten" im Kapitalismus auch stellenweise erscheint, so schlagkräftig kommt sie ihm dennoch vor.
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