Moral lässt sich nicht outsourcen!
Wenn Sie Kleidung tragen, Nahrung zu sich nehmen, ein Auto fahren oder ein Smartphone haben, arbeiten derzeit ungefähr 60 Sklaven für Sie und mich. Ob wir wollen oder nicht. Und ohne dass wir das veranlasst hätten. Wie fühlen Sie sich damit? Dies fragt BWL-Professorin Evi Hartmann und meint es nicht rhetorisch!
Unsere Wirtschaft macht uns alle zu Sklavenhaltern - das führt uns jedes Drei-Euro-T-Shirt und jede Reportage über die Sweatshops in der Dritten Welt vor Augen. Dennoch machen wir weiter mit. Wir können die Globalisierung nicht abschaffen, auch können wir die Spielregeln nicht ändern. Doch wir können anders spielen, zeigt die Expertin für globale Netzwerke.
Evi Hartmanns Buch zeigt: Menschen werden ausgepresst, Preise immer stärker gedrückt. Die Fabrikarbeiterinnen in den Sweatshops verlieren Gesundheit und Leben und wir unsere moralischen Grundsätze, intakte Umwelt und Weltklima. Wir wissen das und wir machen trotzdem alle immer weiter mit - als Unternehmer, Manager, Professoren, Lehrer, Konsumenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2016
Ralph Bollmann kann an den Ratschlägen der Betriebswirtin Evi Hartmann für eine bessere Welt keinen moralischen Mehrwert erkennen. Statt die Verlierer, die Sklaven der Globalisierung in den Blick zu nehmen, schimpft Bollmann, geht es der Autorin nur um das seelische Wohl der europäischen Mittelschicht. Als fair denkender Einkäufer, versteht Bollmann, kann der Konsument es sich bequem machen. Doch die ganze komplexe Problematik der Globalisierung bleibt bei Hartmann für den Rezensenten allzu sehr im Vagen. Allein mit dem Kauf regionaler Produkte ist niemandem geholfen, meint er. Und auch die drängende Frage nach der Selbstermächtigung der Menschen aus Schwellenländern, wie wir sie erleben, findet Bollmann im Buch nicht diskutiert.
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