Jean Echenoz

Die großen Blondinen

Roman
Cover: Die großen Blondinen
Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783827004222
Gebunden, 190 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Was ist aus Gloria Stella geworden, Star des Pariser Show-Business, die wegen Totschlags an ihrem Manager und Geliebten im Gefängnis saß und seit ihrer Entlassung wie vom Erdboden verschluckt ist? Der Filmproduzent Paul Salvador und seine überaus reizvolle Assistentin Donatienne möchten sie in einem geplanten TV-Feature über die "Großen Blondinen" neben dem klassischen magischen Dreieck Marlene, Marilyn und BB präsentieren. Detektive werden auf ihre Spur gesetzt, Jean-Claude Kastner, der sie in der Bretagne aufspürt, bezahlt es als Erster mit seinem Leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2002

Keine große Literatur, aber einen durchaus sehr amüsanter Roman hat Jean Echenoz hier geschrieben, findet Ijoma Mangold und vergleicht den Roman mehrfach mit der Funktionsweise eines Films. Fast verschwenderisch gehe der Autor mit seinen Einfällen um, und so tauchten etliche der "vielversprechenden Motive", die Echenoz in seinem Krimi ins Spiel bringt, gar nicht mehr auf. Für Mangold geht es dem Autor nicht darum, "anspruchsvolle Literatur" zu schaffen und nicht um die Perfektionierung einer sorgfältig angelegten "literarischen Konstruktion". Statt dessen unterhalte Echenoz den Leser mit einer Fülle "eleganter und witziger Formulierungen". Auch auf "psychologische Tiefenbohrungen" verzichte der Autor weitestgehend und das tut dem Buch nach Meinung des Rezensent sehr gut. Dazu passt auch das Sujet seines Schreibens hervorragend: "Die Blondine als Fleisch gewordenes Paradox der Einheit von Oberfläche und Geheimnis ist genau der richtige Gegenstand für ein Schreiben, wie es Echenoz so könnerhaft-leichtfüßig pflegt", lobt Mangold.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2002

Dieser Autor hat vor nichts Respekt, verrät Thomas Laux und verhehlt seine Bewunderung nicht: Zum einen schießt Echenoz alle genretypischen Vorschriften und Regeln des Kriminalromans in den Wind, dann gibt der allwissende Erzähler auf halber Strecke auf und weiß nicht mehr als seine Leser, schlussendlich mokiert sich der Autor auch noch über die heilige Kuh der französischen Literatur, den Nouveau Roman, den Echenoz mit pseudokriminalistischer Diktion, so Laux, parodiere. Letzteres macht Laux eindeutig am meisten Spaß, denn er zitiert gleich mehrere Stellen. Der Stoff dieses (im Original bereits 1995 erschienenen) Romans des französischen Autors verdankt sich im übrigen einem weiteren Mythos, dem Hollywood-Mythos der "Blondinen", dem der Roman phänomenologisch auf die Spur geht. Doch macht man dies nicht ungestraft, wie Laux verrät, denn bei der Suche nach der blonden Gloire - mit einer besonderen Blond-Schattierung - geht es ziemlich turbulent und mordslustig zu. Im Austricksen sämtlicher Leseerwartungen, meint Laux, sei Echenoz ein würdiger Nachfolger Raymond Queneaus, der wiederum ein Vertreter des Nouveau Romans war.

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