Jeanette Erazo Heufelder hat sich auf eine Route begeben, in der sich ein Inferno auftut und hat dabei ihre Augen offen behalten: für falsche Erklärungen und Vertuschungen, für historische Opium und Morphium im Ersten und Zweiten Weltkrieg und aktuelle Hintergründe rasant wachsender Kokainkonsum in den "besseren" nordamerikanischen und europäischen, also auch unseren Gesellschaften, ohne den die Macht und der Reichtum der mexikanischen Drogenbarone gar nicht denkbar wäre. Insofern hat sie ein Buch geschrieben nicht nur über das grausame, aber ferne Mexiko, sondern auch exemplarisch darüber, welche Verantwortung wir tragen für die dramatische Brutalisierung dieser Welt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2012
Camilo Jimenez hat mit dieser Reportage aus dem Drogenkorridor Mexiko ein Land kennengelernt, das er bisher nicht kannte: Die deutsch-ecuadorianischen Autorin Jeanette Heufelder reist die Grenze entlang und durchstreift dabei eine Region, die zugleich Kriegsgebiet und tiefstes Mafialand ist. Dabei erzählt sie nicht nur von Gesetzlosigkeit, verängstigten Menschen und einem verschlossenen Konservatismus, sondern auch von der bizarren Buntheit des Drogenmafia-Lebens, in dem die von Smaragden besetzte, goldene Pistole eines Drogenbosses ausgestellt wird wie andernorts die Kronjuwelen.
Äußerst beklemmend und sehr fesselnd fand Wolf-Dieter Vogel Jeanette Erazo Heufelders Reportagen aus den gänzlich dem Drogenkrieg unterworfenen Regionen Mexikos. Eindrücklich und erschütternd zeigt die Autorin, wie Drogenanbau, Korrumpierung der Polizei und eine geradezu unfassbare Gewalt das gesamte Alltagsleben der Menschen bestimmt, findet der Rezensent, wobei ihn besonders die Passagen in Bann ziehen, in denen die Ethnologin mit Menschen spricht, die in den Drogenregionen des Nordwestens leben. Vogel findet auch die Sachlichkeit, mit der Erazo Heufelder jeder "Romantisierung" der Drogenmafia, etwa als rebellische Kämpfer gegen einen unfähigen Polizeiapparat, aus dem Weg geht und die düstere Wirklichkeit Mexikos realistisch in den Blick nimmt. Viel Hoffnungsvolles kann Vogel den Reportagen allerdings nicht entnehmen, allenfalls vielleicht, wenn die Autorin auch von Menschen berichtet, die sich dagegen stemmen, in diesen verheerenden Verhältnissen unterzugehen.
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