Aus dem Englischen von Noemi von Alemann, Gabriele Gockel und Thomas Wollermann. Der "War on Drugs", der seit 40 Jahren in Amerika tobt, hat es nicht geschafft, den Verkauf oder Gebrauch von Drogen zu verhindern, aber er hat einen weitgehend unbekannten Überwachungsstaat in Amerikas ärmsten Nachbarschaften etabliert. Alice Goffman hat sechs Jahre in so einer Nachbarschaft in Philadelphia gelebt, und ihre genauen Beobachtungen und erschreckenden Erzählungen offenbaren die schädlichen Folgen dieser weit verbreiteten Politik. Goffman stellt uns unvergessliche Charaktere vor, junge afroamerikanische Männer, die in dem Netz von Haftbefehlen und Überwachung gefangen sind. Manche von ihnen sind kleinkriminelle Drogendealer und andere ganz gewöhnliche Jungs, die einfach mit den wenigen Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, zu kämpfen haben. Doch alle finden sich in der Falle einer unterstellten Kriminalität, der sie nur selten entkommen können. Ohne die Probleme des Drogenhandels und die Gewalt, die oft damit einhergeht, zu verleugnen, führen uns die fesselnden Berichte von Alice Goffman die menschlichen Kosten dieser verfehlten Politik vor Augen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.06.2015
Die Soziologin Alice Goffman hat als teilnehmende Beobachterin in einem schwarzen Viertel in Philadelphia gelebt und beschreibt in ihrer Studie "On the Run" das Leben seiner Bewohner, berichtet Susanne Lenz. Die sind überwiegend kriminell, das sei in solchen Gegenden auch ganz normal, erfährt die Rezensentin von Goffman, es gebe zwar auch "Saubere", aber die seien eher die Ausnahme und mehr oder weniger am Rand dieser Gesellschaft. Es geht um Konflikte im Viertel und mit der Polizei, die hart durchgreift, um ihre inoffiziellen Verhaftungsquoten zu erfüllen, erklärt Lenz, die besonders solche Behauptungen eigentlich gerne mit Quellen versehen gehabt hätte. Überhaupt erscheint der Rezensentin Goffmans Studie ein wenig zu teilnehmend: Lenz hat das Gefühl, dass die Soziologin die Grenze der Voreingenommenheit immer wieder überschreitet. Auch die Übersetzung holpert leider, bedauert die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2015
Michael Hochgeschwender erkennt die Stärken und die Schwächen des Buches der Soziologin und Ethnologin Alice Goffman. Was die Autorin als teilnehmende Beobachterin in den Schwarzengettos von Philadelphia erlebt und notiert, scheint ihm aufschlussreich. Die ganze Härte einer Subkultur aus Drogen, Gewalt und Kriminalität schlägt dem Rezensenten entgegen. Allerdings scheint Goffman auch mit diesem exotischen Leben zu sympathisieren, meint Hochgeschwender. Analytisch kritisch also, so der Rezensent, verhält sich die Autorin ihrem Thema gegenüber nicht, auch wenn sie ihrer eher demoralisierenden Sicht der Dinge einige Erfolgsgeschichten kontrastierend zur Seite stellt, wie der Rezensent anmerkt.
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