Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. Jährlich versuchen Tausende von Menschen, aus Zentralamerika in die USA zu fliehen. Länder wie El Salvador leiden unter einem entsetzlichen Bandenkrieg und verzeichnen die höchsten Mordraten der Welt. Die Mara Salvatrucha 13 allein hat dort geschätzte 40.000 Mitglieder: junge Männer ohne Perspektive, die sich im tödlichen Wettstreit mit den Rivalen Status und Respekt erwerben. Miguel Ángel Tobar, genannt El Niño de Hollywood, ist einer von ihnen. Schon als Junge wird er zum skrupellosen Mörder für die MS-13, und später ihr Opfer: Als die Gang seinen Bruder ermordet, schwört er Rache. Seine Zeugenaussagen helfen, mehr als dreißig ranghohe Mitglieder der MS-13 vor Gericht zu stellen. Doch die Mara kennt kein Erbarmen, und der salvadorianische Zeugenschutz ist dürftig.
Wolf-Dieter Vogel warnt vor der Brutalität im Buch von Oscar Martinez und Juan José Martinez. Wie die Autoren das Leben und Sterben eines Killers und Verräters der Mara Salvatrucha 13 beschreiben, treibt dem Rezensenten Schauer über den Rücken. Aber Vogel streicht auch das enorme Wissen der Autoren über die Bandengewalt in Honduras heraus, ihre preisgekrönten Reportagen und dass sie bei aller dokumentierten Gewalt auch versuchen, den Mann für sich sprechen zu lassen und sachlich distanziert Informationen vermitteln, die das Elend umreißen, aus dem die Gewalt erwächst.
Seinen ersten Mord versuchte Miguel Ángel Tobar mit gerade mal elf Jahren, nachdem ein Plantagenbesitzer im Gegenzug für ein paar Flaschen Schnaps Tobars Schwester vergewaltigt hatte. Damals gehörte der junge Tobar zu den vielen Kindern ohne Heimat und Identität, bis er sich schließlich einer Bande aus Berufsmördern anschloss. Die Brüder Óscar und Juan José Martínez haben ihn mehr als zwei Jahre lang interviewt, bevor er 2014 ermordet wurde, erzählt Rezensent Tobias Gohlis. Aus den Gesprächen entsteht für ihn die Biografie eines Killers, in der sich ein toxischer Strudel aus Elend, Unterdrückung und Gewalt offenbare. Die Autoren schildern diese Lebenswelt - eine erstickend dichte Atmosphäre der allgegenwärtigen Furcht, der Armut und des Mystizismus - derart eindrücklich, dass Gohlis ihren süßlich fauligen Todes-Geruch selbst wahrzunehmen glaubt. Nach der Lektüre ist er nicht mehr derselbe, denn dieses Buch, schreibt er, führt ganz nah heran an eine "Quelle der Gewalt".
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