Herausgegeben von Anne Huffschmid, Wolf-Dieter Vogel, Nana Heidues, Michael Krämer und Christiane Schulte. "NarcoZones" geht der Frage nach, wie es in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern zu einer beispiellosen Eskalation des Drogenkrieges kommen konnte, und korrigiert in einer länderübergreifenden Analyse zugleich die irreführende Kurzformel von der "Drogenmafia". Denn längst sind die Kartelle nicht mehr nur Drogenhändler, sondern als transnational agierende Unternehmen an karibischen Touristenhotels ebenso beteiligt wie an deutschen Einkaufszentren. In dem Buch, einer internationalen Gemeinschaftsproduktion von AutorInnen mehrerer Länder, geht es ebenso um die Kartelle wie um den Alltag in Kolumbien oder der nordmexikanischen Grenzregion, um die jugendlichen Zuarbeiter der Kartelle oder die Inszenierung des Drogenkriegs in Medien und Öffentlichkeit, aber auch um erste Formen des Widerstands der Zivilgesellschaft gegen die eskalierende Gewalt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2012
Aufschlussreich findet Jonathan Fischer diesen von Huffschmid u.a. herausgegebenen Band über Lateinamerikas Drogenkartelle, der Texte von Historikern, Juristen, Politologen, Soziologen, Kulturwissenschaftlern und Journalisten versammelt. Im Mittelpunkt der soziologischen, politischen und kulturellen Analysen sieht er die Macht und die Allgegenwart der Drogenkartelle in Mexiko, die das soziale Leben zum Erliegen bringen, die Politik korrumpieren und jedes Jahr Zehntausende von Todesopfern fordern. Neben Texten über die Überforderung und Hilflosigkeit von Justiz, Polizei und Politik hebt Fischer Aufsätze über die Verflechtungen des Dorgenkriegs mit Konflikten in ganz Lateinamerika sowie den Niederschlag des Drogenkriegs in der Literatur hervor. Besonders lobt er die Reportage "Die Schöne und die Hässliche" der Journalistin Lourdes Càrdenas, die für ihn ganz unmittelbar die alltäglichen Folgen des Drogenkrieges verdeutlicht.
Sehr eindrücklich sieht Jörg Sundermeier in diesem Sammelband über die lateinamerikanischen Drogenkartelle deren globales Netz der Gewalt und der Geschäfte geschildert. Dass die Drogenkartelle zwar ganze Staaten "zersetzen", zugleich aber auf rechtstaatliche Verhältnisse vertrauen, wenn sie ihr Geld anlegen, dass von eben diesen Rechtsstaaten viel zu wenig kontrolliert wird, woher das Geld kommt, dass in großem Stil investiert wird und zum Beispiel bei einer amerikanischen Bank 300 Milliarden Dollar eines mexikanischen Drogenkartells gebunkert werden, erfährt der beklommene Rezensent aus dem von Anne Huffschmidt, Wolf-Dieter Vogel, Nanna Heidhues, Michael Krämer und Christiane Schulte herausgegebenen Sammelband. Einzig, dass sich manches in den einzelnen Beiträgen wiederholt, stört ihn mitunter an diesem Band, den er aber insgesamt als ausgesprochen "informativ" lobt und dabei auch gut lesbar findet.
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