Für einen wie Bergheimer gibt es keine Verwendung. Zwar trinkt er nicht übermäßig und sein leichtes Hinken kann man übersehen; Termine hält er stets ein, ein Jobangebot würde er wohl nicht sofort ausschlagen. Nur wird er von niemandem gebraucht, das macht eigenbrötlerisch. Immerhin hat er einen alten Schulfreund wiedergefunden, der sich von ihm vollquatschen läßt. Abends sitzen sie auf wechselnden Parkbänken, dann schwadroniert Bergheimer über die Ungerechtigkeit der Welt. Und beide denken an ihre Jugendjahre, als sie auf der Bank an der Pflaumenallee saßen und ihren Rückzugsort hatten, der sie vor den Zumutungen der Zeit schützte. Damals hatte Bergheimer auch sein Bein noch nicht verloren.
Rezensentin Dorothea Dieckmann ist sehr angetan von diesem "traurig-gewitzen" Buch über zwei Freunde, die eine gemeinsame DDR-Provinzkindheit teilen und nun die Tristesse der Gegenwart sezieren: der eine aus der Sicht des Sozial-Verlierers, der andere aus den Niederungen einer trostlosen Mittelstandsperspektive. Dieckmann ist ebenso ergriffen wie fasziniert von den "klirrenden Übergängen", mit der diese Prosa von der Profanität des Unglücks erzählt, und das mit nahezu hölderlinscher Leuchtkraft. Autor Jens Wonneberger kann sie außerdem als ebenso mitfühlender wie präziser Phänomenologe von Menschen und Milieus überzeugen. Im Übrigen ist sie beeindruckt, wie Wonneberger es schafft, den Leser zum Komplizen der Lebenslügen seiner Protagonisten zu machen. Besonders was die Figur des einbeinigen Arbeitslosen Bergheimer und seine Tiraden betrifft, ist für sie aus dem "Unterschichtsthema" hier eine Ästhetik auf der Höhe der Zeit entstanden: nämlich der "Monolog als soziale Kommunikation".
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