Menschen, die Krieg, Folter, Verfolgung und Vertreibung erfahren haben, leiden zeitlebens unter den ihnen zugefügten Verletzungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Anhand von Beispielen aus der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts entfaltet Jessica Benjamin Grundzüge einer sozial- und kulturwissenschaftlichen, intersubjektivitätstheoretischen Psychoanalyse. Mit ihrer Theorie der Anerkennung und des "moralischen Dritten" schärft sie das Bewusstsein für die komplexen Dimensionen erlebten Leids. Benjamin plädiert dafür, den Opfern kollektiver Gewalt bezeugende Empathie und soziale Unterstützung entgegenzubringen, um ein besseres Zusammenleben aller Menschen zu ermöglichen.
Thomas Arnold lernt von der Psychoanalytikerin Jessica Benjamin, Dichotomien infrage zu stellen. Was es bedeutet als Zeuge zu agieren und bei der Konfrontation mit menschlichem Leid die Zweiteilung in Zuschauer und Beteiligte zu durchbrechen, vermag ihr Benjamin anschaulich zu vermitteln. Arnold schätzt die logische Argumentation im Buch, den essayistischen Ansatz aus Theorie und erzählenden Passagen mit eigenen und fremden Erfahrungen sowie die gute Lesbarkeit des Textes. Wer erkennen möchte, wie Würde aus der Anerkennung anderer erwächst, lese dieses Buch, meint er.
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