Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung. Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406845246 Gebunden, 920 Seiten, 48,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Werner Roller und Annabel Zettel. Die amerikanische Verfassung gehört zu den ältesten der Welt und ist die wichtigste von allen, denn sie definiert bis heute die Grundsätze und Regeln, nach denen der immer noch mächtigste Staat der Welt seit rund 250 Jahren regiert wird. Aber sie ist auch besonders schwer zu ändern. Damit schiebt sie allzu spontanen Eingriffen einen Riegel vor, blockiert aber auch überfällige Reformen. Jill Lepore beschreibt die politischen Kämpfe um diese Verfassung von den frühesten Entwürfen bis in unsere Tage, in denen Präsident Trump dabei ist, das ganze politische System aus den Angeln zu heben. Ob es die Sklaverei ist, das Recht auf Abtreibung oder auf Waffenbesitz - Lepore verwandelt die Verfassungsgeschichte in ein großes historisches Drama um Recht, Macht und Freiheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2026
Rezensent Hendrik Simon staunt über die Lebendigkeit des Buches der Historikerin Jill Lepore. Wenn die US-Verfassung nur ein bisschen davon abbekäme, wäre es besser um sie bestellt, ahnt er. Besser als es die Autorin in ihrer Darstellung über die zentralen Konflikte in der amerikanischen Gesellschaft, die sich in den gescheiterten Änderungen der Verfassung spiegeln, schildert. Kein klassische Verfassungsgeschichte, aber ein Aufruf zur demokratischen Reform anhand einer etwas anderen Genealogie der Verfassung. Stark erscheint Simon auch, dass nicht nur gestandene Politiker zu Wort kommen, sondern auch Randgruppen und ihre Bedürfnisse und Rechte. Wie es zum "Originalismus" der Verfassung kam und wie es anderes werden könnte, beschreibt Lepore laut Simon mit verhaltenem Optimismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2026
Ein hochinteressantes Buch über die US-Verfassung liest Rezensent Matthias Kolb: Die Historikerin Jill Lepore zeigt darin auf, wie die sogenannten Originalisten unter den Verfassungsrichtern den Gesetzestext aus dem 18. Jahrhundert in eine Art heiliges Dokument verwandelt haben, das nicht verändert werden kann - was zu großen gesellschaftlichen Problemen führt. Lepore argumentiert, dass die Verfassungsväter nie vorgesehen hatten, dass ihr Text Ewigkeitswert haben soll und dass außerdem damals zahlreiche gesellschaftliche Gruppen keinerlei Einfluss auf die Gestaltung der Verfassung hatten. In den 1970er Jahren, so Lepore weiter, setzten konservative Richter wie Antonin Scalia dann den Originalismus durch, wobei es ihnen stets nur um ihre eigene politische Agenda ging - tatsächlich sind ihre vermeintlich originalistischen Interpretationen zum Beispiel des zweiten Artikels, in dem es um das Recht, Waffen zu tragen, geht, ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Lepore jedenfalls ist für ein gründliches Umdenken in Sachen Verfassungsreform und Kolb scheint ganz ihrer Meinung zu sein.
Ein lesenswertes Buch über die amerikanische Verfassung und die Kämpfe um sie legt Jill Lepore hier vor, so Rezensent Christoph Drösser. Die Historikerin Lepore wendet sich gegen jene konservativen Kräfte in den USA, die die Verfassung als ein unveränderbares Dokument ansehen. Sie zeigt auf, dass die Gründungsväter der USA das selbst teils ganz anders sahen, außerdem weist sie darauf hin, dass zur Zeit der Entstehung der Verfassung weite Teile der Bevölkerung - Arme, Frauen, viele Migranten - nicht gleichberechtigt waren. Die erst seit den 1980er Jahren einflussreiche Strömung des Originalismus, der am Wortlaut des Schriftstücks festhalten will, hält Lepore angesichts der zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrhunderten für absurd. Drösser findet das alles höchst interessant, wenn er auch anmerkt, dass das Buch für Nichtamerikaner manchmal etwas arg detailreich geraten ist. Dennoch läuft die Besprechung auf eine klare Leseempfehlung hinaus.
Zwar wird in den USA viel von der Verfassung geredet, was wirklich drinsteht, wissen aber die wenigsten, hält die Historikerin Jill Lepore, die ein großes Buch über die Geschichte der Verfassung geschrieben hat, im FAS-Interview fest. Dabei ist es zu Zeiten von Trump besonders wichtig, seine Rechte zu kennen, betont sie, denn es "gibt in der amerikanischen Geschichte keine Trennung zwischen sozialen Bewegungen und der Verfassungsgeschichte. Die Sklaverei wurde durch eine Verfassungsänderung abgeschafft. Die Verfassung legitimierte die Sklaverei. Um sie aus der Verfassung zu streichen, musste diese geändert werden." Gleiches gilt beispielsweise für die Frauen - und Bürgerrechtsbewegung. Gleichzeitig wundert sie sich über das Schweigen der amerikanischen Zivilgesellschaft "aber ich frage mich schon, wo sind die Verantwortlichen der kulturellen, religiösen und zivilgesellschaftlichen Institutionen? Warum tun sie nichts, um das Land aus dieser gefährlichen Lage herauszuholen?" Unser Resümee
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