Aus dem Tschechischen von Johanna Posset. Jiri Kratochvils Erzählungen verbinden sich in ihrer äußeren Kulisse, der Stadt Brünn, im Mittelpunkt aber stehen Menschen und ihre tragikomischen Schicksale. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, wenn skurrile Alltagserzählungen in völlig unerwarteten Wendungen und grotesken Pointen münden: Personen und Orte wechseln ihre Identität, amouröse Abenteuer enden fatal, Frauen verführen junge Männer, die in ihre Eingeweide schlüpfen, tote Verwandte feiern bei Familienfesten mit, Traumgestalten greifen ins wahre Leben ein, Katzen nehmen die Wesenszüge ihres verstorbenen Herrn an, Stalin diktiert in Mausgestalt seine Memoiren, Selbstmörder kehren ins Leben zurück, Strizzis prügeln sich in der Vorstadt um Frauen, der Schriftsteller nimmt Einfluss auf seine eigene Vergangenheit und wird zu einer Mehrfachgestalt. Jiri Kratochvil ist als Ich-Erzähler meist mit von der Partie. Er entführt seine Leserschaft in eine Welt, in der die Peripetien der menschlichen Existenz mit ebenso viel Aberwitz geschildert werden wie die Auswüchse der Konsumgesellschaft und totalitärer Ideologien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2010
Peter Demetz, Autor der Rezension, ist 1922 geboren - und zwar in Prag, über das er als Sudetendeutscher, der später in den USA Literatur lehrte, eindrückliche Bücher geschrieben hat. Hier geht's nun aber ums mährische Brünn, eine Stadt, die laut Demetz gewiss ihre Reize hat, aber nicht den Hang zum Surrealen mit seinen Golems und Libussas wie Prag. Das hält den von Demetz hier heiter gefeierten Autor aber keineswegs ab, surreale Qualitäten zu entfalten. Demetz schildert es so: Kratochvil verbindet äußerste topografische Genauigkeit (es sind dem Buch sogar Stadtpläne beigegeben) mit romantisch-grotesken Elementen, die oft der Postmoderne zugeschlagen werden, in denen Demetz aber viel eher den Einfluss E.T.A. Hoffmanns erkennen will. Eine kurze, aber intensive Empfehlung für diesen in Deutschland noch nicht sehr bekannten Autor.
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