Das mit zahlreichen Fotos und Autografen von Janaceks Briefen und Partituren aufwartende Buch führt den Leser an die schillernde, von Gefühlen und Schaffenskraft sprühende Persönlichkeit des mährischen Komponisten heran: eine fesselnde Lektüre für Opernbesucher, Klassikliebhaber und Freunde musikalischer Briefwechsel, die einen Meister hautnah erleben und eine ungewöhnliche Beziehung zu seiner Muse in Originaltönen mitempfinden wollen.
Die späte Leidenschaft des 1928 in Hukvaldy/Tschechien gestorbenen Leos Janacek galt der Oper und seiner mehr als dreißig Jahre jüngeren Muse Kamila. Die eine sei ohne die andere nicht zu haben, befindet Rezensent Olaf Dittmann und zitiert aus den mehr als 700 Briefen des entflammten Komponisten: " Es brenne, in Flammen brenne mein Wunsch, Dich zu besitzen, Dich zu besitzen!" Janacek sei kein "später Wilder" gewesen, wie es der Autor Jiri Ort mit seinem Titel suggeriere, sondern ein "heilloser Romantiker", der zu lange im 20. Jahrhundert gelebt habe. Seine bedeutendsten Musikdramen schrieb er ab 1917 und sind der Begegnung mit der verheirateten Kamila zu verdanken, der er auch die letzte gleichnamige "(tonlose) Oper" widmete. Janacek habe in den späten Werken eigene Welten erfunden, die allesamt von der unmöglichen Liebe inspiriert waren, "zum Ausgießen randvoll mit Gefühl".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.09.2005
Das zentrale Rätsel in der Biografie des Komponisten Leos Janacek ist der späte Ausbruch großer Produktivität im hohen Alter von über sechzig Jahren. Dem Grund dafür geht dieser Band nach. Er trägt, da ist sich die Forschung schon länger einig, den Namen Kamila Stösslova. In sie, die 37 Jahre jünger war als er und so verheiratet wie entschlossen, es nicht zum Ehebruch kommen zu lassen, hat Janacek sich verliebt. Diese Liebe blieb unerfüllt - wie sie aber im Werk zum Ausdruck fand, das schildert Jiri Ott in seinem Buch. Darum herum wird der Rest des Lebens erzählt. Man erfährt einiges über das Verhältnis Janaceks zu Intendanten, aber auch zu Max Brod. Das alles findet der Rezensent Oliver Müller ganz interessant, aber Entscheidendes vermisst er dann doch, nämlich dass Ott auch einmal die Anstrengung unternommen hätte, "in die Tiefe einer Geste, eines Wortes oder einer Melodie" einzudringen.
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