Sind es nur die Gene, die unser Wesen unveränderbar bestimmen? Welche Rolle spielen Erfahrungen und Erlebnisse bei der Steuerung unserer Lebensprozesse? Diese Frage bewegt nicht nur seit Jahrhunderten Philosophen, Soziologen und Psychologen - das Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Lebensumständen ist auch eines der großen Forschungsfelder der modernen Medizin und Neurowissenschaften. Dieses Buch zeigt, wie Beziehungserfahrungen und Lebensstile ihren "Fingerabdruck" in den biologischen und genetischen Strukturen unseres Körpers hinterlassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.01.2003
Joachim Bauer beschäftigt sich als Psychoneuroimmunologe mit den "wechselseitigen Einflüssen von Psyche, Nerven- und Immunsystem" - und genau in diesen Zusammenhang stellt er das Wirken der Gene, erzählt Rezensentin Manuela Lenzen. Keineswegs, betont er, handelt es sich im Verhältnis von Genen und dem Körper wie der Psyche um eine deterministische Einbahnstraße. Die Gene selbst unterliegen nämlich, so sein zentrales Argument, der Regulation durch psychische Ereignisse, etwa traumatische Erlebnisse in der Kindheit. Welches Gen zur Wirkung kommt, ist dabei beinahe wichtiger als sein schieres Vorhandensein. Daraus folgt: die Umwelt hat beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung des Individuums gerade in ihren Auswirkungen auf die Aktivierung oder Deaktivierung von Genen. Bauer mache mit seinem Buch, so die Rezensentin, "eindrucksvoll deutlich", dass die Seele und ihre Bedeutung sich auch und gerade aus der Sicht des Biologen nicht ohne weiteres wegerklären lassen.
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