Joachim Radkau

Geschichte der Zukunft

Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute
Cover: Geschichte der Zukunft
Carl Hanser Verlag, München 2017
ISBN 9783446254633
Gebunden, 544 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Bald werden uns kleine Reaktoren im Garten mit Energie versorgen. Das Waldsterben lässt sich nicht mehr aufhalten. Der Sozialismus macht ein Ende mit der sozialen Ungerechtigkeit. Wirklich? Joachim Radkau hat erforscht, wie sich die Deutschen seit 1945 ihre Zukunft ausgemalt haben. Hoffnungen und Ängste, Prognosen und Visionen, fatale Irrtümer und unerwartete Wendungen: Im Rückblick staunt man, wie sicher wir zu wissen glauben, was auf uns zukommt. Dabei sind diese Vorstellungen oft Grundlage weitreichender Entscheidungen, ob es nun um die Umwelt geht, um die Rente oder die Bildung. Ein ungewöhnlicher Blick auf die deutsche Geschichte von einem der originellsten Historiker unserer Tage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2017

Zumindest als "eklektische Geschichte" der Bundesrepublik mit den Schwerpunkten Agrar-, Atom-, Umwelt-, Bildungs- und Arbeitspolitik hat Rezensent Lucian Hölscher Joachim Radkaus "Geschichte der Zukunft" mit Gewinn gelesen. Der Kritiker erfährt in diesem Lauf durch "vergangene Zukünfte" nicht nur, dass Voraussagen meist falsch waren und erst im Nachhinein schöngeredet wurden, sondern lernt auch einiges über zeitgenössische Wünsche und Ängste. Interessiert liest Hölscher zudem die Ausführungen über die Futurologie der sechziger Jahre oder die Umweltpolitik seit den siebziger Jahren. Allerdings muss er gestehen, dass sich der Historiker zu oft in Details verfängt, dabei Konsistenz und Zusammenhang vermissen lässt und damit trotz unterhaltsamer Anekdoten und lockerer Sprache ein wenig "ermüdet".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.02.2017

Für Elisabeth von Thadden ist Joachim Radkaus "Geschichte der Zukunft" ein "Wimmelbild" voller "Kuriositäten und Gedankenblitze". Geradezu vergnügt liest die Kritikerin wie der Bielefelder Historiker die Prognosen, Visionen und Irrungen in Deutschland seit 1945 untersucht und das Offene der Geschichte immer wieder an die Stelle der "Besserwisserei" setzt. Ob Bildungskatastrophe, Waldsterben, Atomkraft oder Energiewende - Radkau durchpflügt die Zukunftshoffnungen der jüngsten Geschichte heiter, überraschungsreich und kunstfertig, lobt die Rezensentin, die den Autor hier allerdings zugleich besorgt um unsere Zivilisation erlebt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2017

Wolfgang Luef lernt mit Joachim Radkaus Buch, allzu sicheren Zukunftsprognosen zu misstrauen. Der umfangreiche Essay des Historikers widerlegt laut Luef die Vorstellung, die deutsche Geschichte sei an einer durchgängigen Narration verlaufen. Vielmehr zeigt er quellensatt, wie die Zeitgenossen von der Zukunft träumten, sich irrten oder wie sie von den tatsächlichen Entwicklungen komplett überrascht wurden. Zwischen den Presseartikeln, den dokumentierten Vorstellungen von Politikern und Ökonomen und den alltäglichen Ängsten und Hoffnungen der Menschen aus unterschiedlichen Epochen erscheinen Luef die Gedanken des Autors als einziger roter Faden im Text. Der leichten Unübersichtlichkeit steht laut Rezensent die Tatsache gegenüber, dass die Lektüre nie langweilig wird. Die Geschichte der Zukunft erscheint hier als ein veritables Füllhorn von Geschichten, Visionen und Sorgen (etwa Atomkraft, Energiewende etc.), die die Politik und das Leben beeinflusst haben, meint er.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.01.2017

Mit gemischten Gefühlen hat Alan Posener Joachim Radkaus "Geschichte der Zukunft" gelesen. Die Geschichte der deutschen Atomindustrie seit 1945 kann ihm der Historiker gut vermitteln: Mit exzellenter Kenntnis der Materie schildere Radkau etwa die Entwicklung von der Befürwortung der Atomkraft durch die Linke bis zur Anti-AKW-Bewegung und analysiere die Geschichte der technischen Utopien von Atom- bis zur Landwirtschaft oder von der Raumfahrt bis zur Kybernetik, lobt der Kritiker. An Radkaus Ausführungen zu den Themen Globalisierung, Migration und "Multikulti" hat Posener allerdings einiges auszusetzen: Unzureichendes, mit Ausrufezeichen unterlegtes "Wikipedia"-Wissen führe hier zu teilweise "perfiden" Fehldarstellungen, moniert der Rezensent.

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