Über zwei Milliarden Menschen leben weltweit in Armut, leiden unter Hunger, Unterdrückung und Krieg. Über 65 Millionen von ihnen waren allem im letzten Jahr auf der Flucht, viele erhoffen sich ein besseres Leben in Europa oder Nordamerika. Hilfe tut also dringend not - aber sind offene Grenzen die richtige Antwort auf das Elend in der Welt?
Diese Ansicht findet viele Fürsprecher, doch der Philosoph Julian Nida-Rümelin ist überzeugt: Offene Grenzen würden das Elend nicht wesentlich mildern, sondern die Herkunftsregionen weiter schwächen und die sozialen Konflikte in den aufnehmenden Ländern verschärfen. Eine Lösung für die beschämenden humanitären Skandale unserer Zeit sind sie nicht.
In seiner Ethik der Migration schlägt Nida-Rümelin eine Brücke zwischen Philosophie und Politik: Politisches Handeln muss auf den Werten und Normen der Humanität beruhen. Nur so können verantwortungsbewusste und zukunftsträchtige Entscheidungen getroffen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2017
Hans Joas gibt Entwarnung. Julian Nida-Rümelin liege nichts ferner als ein postmoderner Flirt mit "Transgression", meint er. Die moralphilosophische Absicherung des Autors zu Beginn des Buches erscheint ihm allerdings lang, doch nicht überflüssig, biete sie doch Begründungen statt bloß Meinung. Die Selbststilisierung des Autors geht dem Rezensenten aber spätestens dann zu weit, wenn Nida-Rümelin Kollegen wie Paul Ricoeur einfach unbeachtet lässt und sich zum Alleinversteher der Migration und der Notwendigkeit ihrer Regulierung erhebt. Auch über empirische Details im Buch würde Joas gerne diskutieren, er räumt aber ein, dass Nida-Rümelins ethischen Postulate zur Migrationspolitik als vernünftiger Leitfaden gelten können, auch wenn der Autor mögliche Akteure nicht benennt und Umsetzungschancen kaum behandelt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.07.2017
Bernd Kastner entdeckt bei Julian Nida-Rümelin den philosophischen wie politischen Appell, Migrationspolitik zu diskutieren. Die Wünsche des Autors betreffend die ethischen Implikationen der Migration scheinen Kastner bedenkenswert, führen sie doch von der Überzeugung von der moralischen Pflicht Grenzen zu öffnen über die Idee der Gleichbehandlung zur Vorstellung eines Ausgleichs zwischen Nord und Süd. Die Lektüre von Nida-Rümelins Ethik der Migration kann Kastner empfehlen, auch wenn sie nicht in jedem Detail seine Zustimmung hat und jede philosophische Herleitung des Autors den Rezensenten beglückt.
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