Joan Wallach Scott

Der neue und der alte französische Säkularismus

Cover: Der neue und der alte französische Säkularismus
Wallstein Verlag, Göttingen 2019
ISBN 9783835334540
Kartoniert, 60 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann. Was hat der Kampf für eine säkulare politische Öffentlichkeit mit Gleichberechtigung zu tun? Nichts, sagt Joan Wallach Scott, der Säkularismus kann die Fortschritte der Gleichberechtigung nicht für sich reklamieren. Joan Wallach Scott, seit Jahrzehnten eine Schlüsselfigur der Gender Studies, entwickelt in diesem Buch ihre Kritik des aktuellen Säkularismusdiskurses, insbesondere mit Blick auf jene Kultur, die sich als Wiege des Säkularismus begreift: Frankreich. Wer heute Säkularismus und Geschlechtergleichheit in einem Atemzug nennt, geht dem aktuellen Säkularismusdiskurs auf den Leim. Wenig hatte der historische Säkularismus mit Geschlechtergleichheit zu tun, ganz im Gegenteil, er diente als Waffe gegen die vorgeblich dem Religiösen näherstehenden, letztlich die Kirche unterstützenden Frauen. Die Erfolge des Kampfes um Geschlechtergleichheit kann der historische Säkularismus kaum für sich reklamieren. Erst mit der Wendung des Säkularismus von einer anti-kirchlichen zu einer anti-islamischen Waffe tritt Säkularismus als Kampf für die Befreiung der islamischen Frau auf.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.02.2020

Durchaus mit Interesse liest Jürgen König, wie Joan Wallach Scott in ihrem Essay gegen den französischen Säkularismus polemisiert. In dem Verbot muslimischer Schleier in der Öffentlichkeit sieht die amerikanische Historikerin nämlich weder republikanische Prinzipientreue noch eine logische Antwort auf den Islamismus, der in Frankreich Hunderte Menschen das Leben kostete, sondern das Fortbestehen geschlechterspezifischer Ungleichheit. Wenn Scott darauf verweist, dass erst mit der Französischen Revolution Frau und Religion in die Privatsphäre verbannt und parallel geschaltet wurden, folgt ihr der Rezensent aufmerksam. Aber dass sie sich über französische Ungleichheiten auslässt, ohne auf die patriarchalen Seiten des Islams auch nur ansatzweise einzugehen, findet er unzulässig.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2019

Über weibliche Blöße, Natur und Unvernunft erfährt Urs Hafner in dem Buch der amerikanischen Historikerin Joan Wallach Scott Wissenswertes. Oder nicht? Hafner denkt nach über Böcklins nackte Helvetia und Delacroix' Marianne oben ohne. Marginalisierung oder nicht? So vermutet die Autorin laut Hafner in ihrem Essay. Bestechend findet der Rezensent, wie Scott den Säkularismus in Frankreich analysiert, die Kopftuchdebatte und die "Obsession der Demokratie mit dem Körper der Frau".

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