Gegenwärtig ist die Debatte über das Verhältnis von Säkularisierung und Religion neu aufgeflammt. In ihrem Zusammenhang stellt Talal Asads Buch Fragen, deren Beantwortung die uns lieb gewordenen Annahmen über das Säkulare erschüttern. Ist Säkularisierung wirklich darauf aus, Religion zu zivilisieren und so das Gewaltpotenzial zu bändigen, das sie dieser unterstellt? Ist der Zusammenhang von Modernisierung und Säkularisierung tatsächlich so eng und so unproblematisch gegeben, wie viele es annehmen? Welche diskursiven Zurichtungen sind es, die das Religiöse in säkularistischer Perspektivierung erfährt?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2018
Rezensent Daniel Weidner ist der Meinung, dass der Text des amerikanischen Anthropologen Talal Asad auch 15 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch Impulse geben kann. Manches im Band erscheint ihm durch die Verschärfung der Grausamkeiten in Sachen Menschenrechte überholt. Wenn Asad ihm zeigen kann, inwieweit Diskussionen um Religion und Säkularität aufeinander verweisen, sieht Weidner darin allerdings einen noch immer sinnvollen Anstoß für die Debatte. Das "Verhältnis der Ideologie des Säkularismus zu unserem Verständnis des Säkularen" erkundet der Autor für Weidner auf "methodisch anregende Weise" als Ethnologie und im globalen Kontext, was am Ende darauf hinauszulaufen scheint, dass Säkularismus auch nur eine Art Religion (oder eben Ideologie) ist, die nicht weniger zu Grausamkeiten befähigt als jede Religion. Weidner verweist zustimmend auf den Kolonialismus. Die Paradoxien in der Missionierung der Menschenrechte durch den Westen vermag ihm der Autor offenzulegen und Alternativen aufzuzeigen. Schwierig findet der Rezensent die Entwicklung des Arguments anhand von Debatten, die dem (deutschen) Leser nicht immer präsent oder auch veraltet sind. Trotzdem findet er den Band lesenswert, denn, meint er ganz unironisch, Säkulare wird uns "noch lange als Problem beschäftigen".
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