Joanna Bator

Dunkel, fast Nacht

Roman
Cover: Dunkel, fast Nacht
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518424971
Gebunden, 511 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Lisa Palmes. Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuldzuweisungen greifen um sich. Gehetzt wird gegen die 'Katzenfresser', die Zigeuner. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses. Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leer steht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge. "Dunkel, fast Nacht" ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2016

Rezensentin Katharina Teutsch lernt, wie Gespenster riechen, und noch einiges mehr in Joanna Bators neuem Roman, den Teutsch durchaus als Weiterführung von Bators früheren Romanen deutet. Die Heldin, eine junge Journalistin, kehrt zurück in ihre niederschlesische Heimatstadt Wałbrzych, um dort über verschwundene Kinder zu recherchieren. Bator inszeniert das laut Teutsch mit Sinn für Splatter und Kitsch, aber vor allem fürs spannende Erzählen über Gattungsgrenzen hinweg. Mal voller Drive, dann wieder im Stil einer Gespenstergeschichte, dann humorig, meint Teutsch, lässt Bator Polens Erniedrigte und Beleidigte sich auf die Suche nach einem uralten Geheimnis machen. Und Platz für eine Liebesgeschichte ist im Buch auch, staunt sie.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2016

In ihrem neuen, wie die hier rezensierende Autorin Marta Kijowska findet "erstklassigen" Roman "Dunkel, fast Nacht" beweist Joanna Bator einmal mehr ihr literarisches Geschick und jede Menge "sprachliche Fantasie", schreibt Kijowska anerkennend. Wie schon Bators frühere Romane spielt auch die Geschichte der Journalistin Alicja Tabor in der schlesischen Stadt Waldenburg, verrät die Kritikerin, ein düsterer Ort, an dem Autorin wie Protagonistin aufgewachsen sind und nun mit bzw. in der Erzählung zurückkehren, um eine Entführung aufzuklären und sich von den teilweise verstörenden Erinnerungen an die Vergangenheit einholen zu lassen. Bator beschreibt gekonnt Momente der "kollektiven Trance" und plötzlicher Ausbrüche sowie die Irrationalität, mit der sich die Menschen in Waldenburg Dinge erklären, die sie nicht verstehen. Es ist auch ein Blick in ein Polen, das Jaroslaw Kaczynski gewählt hat. Wie Bator das alles sprachlich und in verschiedenen Zeitebenen fasst, hat Kijowska mächtig imponiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2016

Durchwachsen fällt Jutta Persons Urteil über den dritten Roman der polnischen Schriftstellerin Joanna Bator aus. Zwar gefällt der Kritikerin der mal explizite, mal ironische Humor des Buches, die Liebe der Autorin zu satirischen Sprachspielen sowie die an Murakami erinnernden fantastisch-surrealen Elemente von "Dunkel, fast Nacht", und Person erfreut sich am "mal schaurigen, mal bedrückenden, dann wieder witzpulverhaft skurrilen Kuriositätenkabinett" des Romans. Doch zwei entscheidende Dinge hat die Rezensentin zu beanstanden: Einerseits ist ihr das Buch zu häufig auf den billigen Knalleffekt aus, Kinderpornos mit Tieren hätte sie nicht für nötig gehalten. Außerdem stört sich Jutta Person an der Allgegenwart von Katzen(-menschen). Der heraufbeschworene "Katzenfrauen-versus-Katzenfresser-Kampf" sei in all seiner kitschigen Esoterik kaum zu ertragen. Lobende Worte findet die Kritikerin derweil für die ihrer Meinung nach stilsichere Übersetzung durch Lisa Palmes.

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